Das Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt "Waaghof"
Die Gespräche mit den Gefangenen in Untersuchungshaft widerspiegeln viele Unsicherheiten im Leben eines Inhaftierten: Wie lange wird die Haft dauern? Was finden die Untersuchungsbehörden heraus? Wie teile ich meine Haft dem Arbeitgeber mit? Wie wird meine Familie und mein Freundeskreis reagieren? Zudem stellt das enge Zusammenleben mit Menschen, die aus aller Welt kommen, ganz verschiedene Sprachen sprechen und die unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Prägungen mitbringen, hohe Anforderungen an die Gefangenen und an das Personal. Ich versuche, diesen Menschen während der schwierigen Zeit der Haft beizustehen und sie zu begleiten.
Das Ausschaffungsgefängnis Basel-Stadt "Bässlergut"
Im Ausschaffungsgefängnis Basel-Stadt befinden sich Menschen, die sich ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz aufhalten. Dafür gibt es viele Gründe. Einige davon sind: sie besitzen keine Ausweispapiere (mehr), ihr Aufenthaltsrecht in der Schweiz ist abgelaufen, sie haben eine negative Antwort auf ihr Asylgesuch bekommen oder sie müssen nach Verbüssung ihrer Straftat die Schweiz verlassen. Diese Menschen zeigen uns auf, wie komplex und vielschichtig das Leben sein kann. Oft sind sie auf der verzweifelten Suche nach einer möglichen Zukunftsperspektive für sich und ihre Familien, denn in ihrer Heimat herrschen Armut, Krieg und Hoffnungslosigkeit.
Gottesdienste in den Gefängnissen
Die Gottesdienste an Weihnachten und Ostern bilden in meiner Arbeit einen wichtigen Höhepunkt. Für die Inhaftierten (nicht für alle, aber für die meisten) ist es eine willkommene Abwechslung im eher eintönigen Alltag. Einen wichtigen Platz nimmt die Musik ein, denn sie wird über alle Sprachgrenzen hinaus verstanden. Alle sind willkommen - ungeachtet ihrer Religions- oder Konfessionszugehörigkeit.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine gute Zusammenarbeit und Vernetzung mit den anderen Diensten im Gefängnis (Medizinischer-, Sozial-, Psychiatrischer- und Aufsichtsdienst) ist von zentraler Wichtigkeit. Die psychischen Erkrankungen bei den Inhaftierten sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Dies stellt alle, die mit Straffälligen arbeiten, vor neue Herausforderungen. Das Stützen und Begleiten der Aufseher und Aufseherinnen ist mir ganz wichtig. Sie leisten tagtäglich eine anspruchsvolle, vielfältige und schwierige Arbeit, die ich sehr respektiere und achte. Die Arbeit erfodert eine grosse Belastbarkeit, eine hohe Frustrationstoleranz und viel Menschenkenntnis.
Sensibilisierungsarbeit
Die Sensibilisierungsarbeit für die breitere Öffentlichkeit ist ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit. In Vorträgen, Schulstunden oder Podiumsgesprächen versuche ich, anderen einen Blick hinter die Mauern zu gewähren, damit sie vielleicht später einem Straffälligen mit weniger Vorurteilen begegnen werden.
Falls Sie einmal mit einer solch schwierigen Situation konfrontiert sein sollten, dann nehmen Sie bitte ungeniert mit mir Kontakt auf.
Kontaktadresse der oekumenischen Gefängnisseelsorge Basel-Stadt
Franziska Bangerter Lindt
Pfarrerin und oekumenische Gefängnisseelsorgerin
Schlossmattstrasse 7
CH - 3400 Burgdorf BE
Tel: 034 422 73 72
mail: bangerter-lindt@bluewin.ch