Trifrons_Verkündigungsszene
ZUM SONNTAG TRINITATIS
Nach Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten feiern wir, dass Gott uns erneut etwas von sich hat begreifen lassen. Jedes Jahr kreisen wir um das grosse Geheimnis der Wirklichkeit, das Gott ist. Schon früh hat die Kirche gefunden, mit der Rede von der «Dreieinigkeit Gottes» sei am besten zu fassen, wer und wie Gott ist. Doch bis heute meinen viele, die Lehre von der Trinität sei weniger ein Grund zum Feiern als zum Kopfschütteln.
Frederick Buechner, dem amerikanischen Pfarrer und Schriftsteller, gelingt es oft, Komplexes in wunderbarer Weise auf Verständliches zu reduzieren, so auch dazu:


DREIEINIGKEIT

Die oft schlechtgemachte Lehre von der Dreieinigkeit sagt, auch wenn es manchmal anders wirken mag, dass nur ein Gott ist.
Vater, Sohn und Heiliger Geist bedeutet, dass das Geheimnis jenseits von uns, das Geheimnis unter uns und das Geheimnis in uns allen das eine Geheimnis ist. Die Dreieinigkeit ist also eine Art und Weise etwas über uns auszusagen und darüber, wie wir Gott erfahren.
Die Dreieinigkeit ist auch eine Art und Weise etwas über Gott auszusagen und darüber, wie er in sich ist. Das heisst: Gott braucht die Schöpfung nicht, um etwas zum Lieben zu haben, denn in Gott selbst geschieht Liebe. Mit anderen Worten: die Liebe, die Gott ist, ist Liebe nicht als Substantiv, sondern als Verb. Dieses Verb ist reflexiv und transitiv.
Wenn dir die Idee, Gott sei zugleich einer und drei, weit hergeholt scheint, dann schau einmal in den Spiegel.
Es gibt (a) dein Innenleben, das nur du kennst und die, denen du dich mitteilst (der Vater).
Es gibt (b) dein sichtbares Gesicht, das in gewissem Mass dein Innenleben widerspiegelt (der Sohn).
Und es gibt (c) die unsichtbare Kraft in dir, die dich dazu fähig macht, dein Innenleben so mitzuteilen, dass andere nicht bloss etwas darüber wissen, sondern es so erkennen, dass es ein Teil von ihnen wird (der Heilige Geist).
Doch die, die du im Spiegel anschaust, bist klar und unteilbar einzig und allein du.



TRINITY

The much-maligned doctrine of the Trinity is an asseertion that, appearances to the contrary notwithstanding, there is only one God.
Father, Son, and Holy spirit mean that the mystery beyond us, the mystery among us and the mystery within us are all the same mystery. Thus the Trinity is a way of saying something about us and the way we experience God.
The Trinity is also a way of saying something about God and the way he is within himself, i.e. God does not need the Creation in order to have something to love, because within him love happens. In other words, the love God is is love not as a noun but as a verb. The verb is reflexive as well as transitive.
If the idea of God as both Three and One seems farfetched and obfuscating, look in the mirror someday.
There is (a) the interior life known only to yourself and thos you choose it to communicate to (the Father). There ist (b)the visible face, which in some measure reflects that inner life (the Son). And there is (c) the invisible power you have which enables you to communicate that interior life in such a way that others do not merely know about it, but know it in the sense of becoming part of who they are (the Holy Spirit). Yet what you are looking at in the mirror is clearly and indivisibly the one and only you.

Herzlich

Benedict Schubert


P.S. Der Text stammt aus Frederick Buechner, Wishful Thinking. A Seeker’s ABC, New York 1993, 114. Es gibt eine schöne deutsche Version: Wunschdenken. Ein religiöses ABC, Zürich 2007. Ich habe sie mir mehrmals gekauft, ausgeliehen und nicht zurückbekommen. Deshalb ist diese deutsche Version nicht die aus dem Buch, sondern meine eigene.