Baum mit Efeu
Geduld
Wie ich Regentage liebe: sie laden förmlich ein dazu, lang gehegte Lesewünsche zu verwirklichen.

Heute werde ich gepackt von Tomás Halíks „Geduld mit Gott“: Er findet darin eine herausfordernde und andere Antwort als „Gott gibt es nicht“ oder „billigen Glauben“ auf das oft erlebte Schweigen Gottes oder die beklemmende Gottesferne.

Gegenüber einem „abwesenden Gott“ schlägt Halík Glaube, Hoffnung und Liebe vor. Er bezeichnet sie als tief miteinander verbundene Arten von Geduld.
Die atheistische oder billig glaubende Antwort ist ungeduldig. Sie ist ganz schnell fertig mit Gott, mit dem Geheimnis, dem Unerklärlichen, dem ganz Anderen.

Aber, so Halík, mit einem Geheimnis darf man nie fertig sein. Ein Geheimnis lässt sich- im Gegensatz zu einem Problem- nicht fassen; man muss geduldig an der Schwelle zum Geheimnis ausharren und in ihm verweilen. Glaube, Hoffnung und Liebe sind Ausdruck, sind drei Aspekte unserer Geduld in solchen Stunden, sind drei Möglichkeiten, mit der Erfahrung der Verborgenheit Gottes umzugehen.
Sie stellen- gegenüber den oben genannten Verkürzungen ein wahrlich langes Unterwegs-sein dar, das manchmal durch Wüste und Dunkelheit führt. Manchmal müssen wir auch tief in den Abgrund, in das Tal der Schatten hinabsteigen, um den Pfad wieder zu finden. Würde er nicht hierdurch führen, wäre es kein Weg zu Gott- Gott wohnt nicht an der Oberfläche.

Glaube, Hoffnung und Liebe sei mit Ihnen auf Ihrem Weg,

Franziska Kuhn

P.S. Während der Sommerferien werden Sie genau zu Glaube, Hoffnung und Liebe drei online-Kurzandachten sehen können. Dass ich heute die Tagesdosis dazu verfasste, ergab sich ungeplant...