Yakari-Umschlag
HERZENSMUSIK
Zu meinen Kindheitserinnerungen gehören Besuche bei meiner Oma, die damals in Konstanz lebte. Besonders attraktiv war für mich ihre – im Rückblick vermute ich: bescheidene – Schallplattensammlung. Sie besass auch die Filmmusik von «Der Schatz im Silbersee». In meiner Erinnerung war auf dem Cover Winnetou zu sehen, der im Kanu über den Silbersee paddelt. Ich kannte die Geschichte nicht, war noch zu klein, Karl May zu lesen, und den Film hatte ich erst recht nicht gesehen, doch irgendwie hoffte ich, wenn ich diese Musik hörte, würde ich etwas sehen. Doch die Musik liess keine Bilder bei mir aufsteigen. Ich blieb enttäuscht und leer und habe die Platte nie mehr angehört. (Das geht anderen offensichtlich anders: Lesen Sie die rührenden Kommentare unter dem Youtube-Eintrag mit der Filmmusik: www.youtube.com/watch?v=SZpmhLVbPHs.)

Mit zwei anderen Schallplatten ging es mir hingegen genau umgekehrt und ich wollte sie immer wieder hören: Smetanas Moldau und Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert. Es war Musik, die schon meine Kinderseele ansprach und in mir bis heute Bilder aufsteigen lässt, die mich berühren.
Hier können Sie Smetana hören: www.youtube.com/watch?v=3G4NKzmfC-Q
und hier Rachmaninoff: www.youtube.com/watch?v=tSvq_GnGfTI

Was mich anspricht, kann anderen sehr fremd vorkommen. Und was anderen das Herz berührt, kann mich irritieren. Die Debatte darüber, ob es «universale» Musik gibt, oder ob die musikalischen Sprachen so unterschiedlich sind wie die gesprochenen, ist offen und spannend. (Bobby McFerrin beispielsweise ist überzeugt, dass die Pentatonik universal ist: www.youtube.com/watch?v=ne6tB2KiZuk)

In der Musikethnologie verwenden manche den Begriff der «Heart Music», der Musik, die direkt zu Herzen geht. Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn Fremde mit einem ihre Herzensmusik teilen, denn das kann einem eine neue, reiche Welt erschliessen. So ging es uns am Freitagabend, als ein iranischer Student, der bei uns im Alumneum wohnt, uns auf dem Tanbur, einem ganz alten Saiteninstrument aus seiner Heimat, seine Herzensmusik vorspielte. Mit diesem Beispiel können Sie sich vorstellen, wie das ungefähr klang: www.youtube.com/watch?v=f8-7WKu9UwI.

Eine der vielen Fragen, die sich uns als Kirche stellen, ist diese: Was ist die «Herzenmusik» der Menschen, unter denen wir leben, und die wir mit dem Evangelium erreichen wollen?

Und überhaupt: Welche Musik wird im Himmel erklingen?

Mit einem Herzen voller Musik grüsse ich Sie

Benedict Schubert
TAGESDOSIS NICHT MEHR TÄGLICH
Seit heute feiern wir wieder gemeinsame Gottesdienste. Dass ich ausserdem gleich nach dem Gottesdienst für zwei Wochen in die Ferien fahre, gibt zusätzlichen Anlass, den Rhythmus unserer Tagesdosen etwas zu verlangsamen. Wir werden uns nicht mehr täglich melden – aber immer wieder, wohl zwei bis drei Mal pro Woche. Falls Sie sich aus der Liste derer austragen wollen, die unsere Nachrichten erhalten, können Sie das einfach tun, indem Sie auf der entsprechenden Seite oben links «austragen» anklicken: www.erk-bs.ch/kg/baselwest/gruppe/tagesdosis-trost.
Wir freuen uns, wenn Sie dabeibleiben – wir wollen es ebenfalls tun. Sehr herzlich danke ich an dieser Stelle auch im Namen von Claudia Basler und Franziska Kuhn für die vielfältigen Rückmeldungen und Anregungen, die wir von Ihnen erhalten haben. Manches konnten wir dann wieder in Tagesdosen einfliessen lassen. Wir bleiben im Gespräch!
Nebelmeer_HelenDahm