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von Gott geschenkt, aus lauter Gnade
Über Bekenntnisse und Katechismen (ein Katechismus gehört zu der Gattung der Bekenntnistexte genau so wie ein kurzes Credo in einem Gottesdienst!) kann man denken, wie man will: Die meisten in unserer Gemeinde stehen ihnen eher kritisch gegenüber, die wenigsten sprechen regelmässig ein Glaubensbekenntnis, lesen einen Katechismus, suchen nach einem eigenen Credo.

Vor 10 Jahren stiess die Basler Kirche, angeregt von der Evangelischen Kirche Schweiz, damals SEK, einen Bekenntnis-Prozess an. Es sollte eine Diskussion werden, was in unserem Glauben zentrale Aussagen sind, worauf wir uns einigen können in unserem Glauben, was unverlierbare- und was unverhandelbare Glaubens-Aussagen sind.
Bekenntnisse leben von der Auseinandersetzung, sie leben von der Diskussion; sie zeichnen sich aus durch das Unbequeme, Herausfordernde. Es sind zu Pfeilen zugespitzte Glaubensaussagen, die in ihrer Reduktion und Klarheit bisweilen wie Nadeln schmerzen, weil sie uns in unseren bequemen Kompromissen bisweilen blossstellen.
(So war das z.B. mit der Barmer Theologischen Erklärung im III. Reich, die indirekt zum Widerstand aufrief; so ist das mit den Bekenntnissen der sog. 3. Welt heute, die unseren Wohlstand massiv infrage stellen.)

Die (evangelische) Schweiz hat sich im 19. Jahrhundert für „Bekenntnis-frei“ erklärt. (Sie hat sich dabei nicht für „Bekenntnis-los“ erklärt! Nur soll es keine Texte geben, auf die Menschen verpflichtet werden, sondern jede*r soll selber auf der Suche nach den eigenen Bekenntnisaussagen bleiben!) Damit hat die Schweiz auf die Jahrhunderte der Religionskriege in Europa reagiert und sich durchaus Religionsstreitigkeiten und Kirchenspaltungen erspart.

Den Auftakt zu dem Basler Bekenntnis-Prozess machte Franz Christ mit seinem „Basler Katechismus“. Auch er sollte von Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den Inhalten anstossen. Was passiert ist, ist dass der Katechismus auf die Homepage der ERK gestellt wurde und bis heute dort eine Schattenexistenz führt. Eine Gruppe Theologinnen aus Basel-Stadt und Basel-Land hat den Text tatsächlich zum Anlass für eine inhaltliche Auseinandersetzung genommen und eine feministisch und befreiungstheologische Kritik daran geschrieben. Entgegen der Zusage der Kirchenleitung ist diese bis heute nicht publiziert worden – und damit die Auseinandersetzung über Glaubensaussagen in der Basler Kirche gleich wieder im Keim erstickt worden... Nun ja, vielleicht ist die Zeit nicht reif für mehr als ein individuelles Bekenntnis...

1563 erschien der Heidelberger Katechismus. Es ist jener reformierte Katechismus, der die vermutlich breiteste Wirkungsgeschichte hatte und bis heute von vielen reformierten Kirchen als verbindlich und glaubensdefinierend genutzt wird. Mir sind viele Fragen und Antworten aus diesem Katechismus eine Richtschnur für meinen Glauben, sie berühren mich tief, fordern mich heraus, beschämen mich in meinem Scheitern und stärken mich mit der kompromisslos zugesagten und geschenkten Gnade. In ihm kommt mir ein Gott entgegen, der tröstet, begleitet, mich hört und ansieht, mir die Augen öffnet und mein Leben in einen weiten Bogen hineinstellt: über mein Gelingen und Scheitern in dieser Welt, aber auch über Leben und Sterben hinaus. Ein Gott, in dessen Gnade ich mich bei allem Anspruch doch immer geliebt und geborgen wissen darf.

Eine meiner Herzens-Fragen und Antworten ist Nr. 21

Was ist wahrer Glaube?
Wahrer Glaube ist nicht allein
eine zuverlässige Erkenntnis,
durch welche ich alles für wahr halte,
was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat,
sondern auch ein herzliches Vertrauen,
welches der Heilige Geist
durchs Evangelium in mir wirkt,
dass nicht allein anderen,
sondern auch mir
Vergebung der Sünden,
ewige Gerechtigkeit und Seligkeit
von Gott geschenkt ist,
aus lauter Gnade,
allein um des Verdienstes Christi willen.

Herzlich,
Claudia Basler

P.S.
Alle 129 Fragen und Antworten des Heidelberger Katechismus finden sie hier:
https://www.heidelberger-katechismus.net/8261-0-227-50.html
Als Lesetipp: Lesen Sie Frage 1 und dann ab Teil 2 „Von des Menschen Erlösung“ (Frage 12). Wer dann noch nicht genug hat, kann noch mal von vorne anfangen und auch den ersten Tel mitlesen. Der erste Teil „Von des Menschen Elend“ löst mit unserem heutigen Pädagogik-Verständnis eher Abwehr aus, auch wenn es inhaltlich durchaus stimmt...