Mosaik Pauluskirche
„...und dass auch ich (...) ewig bleiben werde!“
Im Altersheim Weiherweg wurde ich angesprochen, dass die Pauluskirche wohl nur noch zur Viertelstunde schlage, aber der Stundenschlag fehle: Der hörbare Klang der Kirche, der dem alltäglichen Leben einen Rhythmus gibt; der Klang, der an den Glauben erinnert, er fehlt, wenn er fehlt.
Ob wir es uns nicht mehr leisten könnten, war die Frage. Eine Frage zwar mit Augenzwinkern gestellt, aber wie so oft auch mit wahrem Kern. Zwar kann ich da beruhigen: Am Glockenschlag müssen wir noch nicht sparen, aber die Frage um die Finanzen hängt ja doch schon lange wie ein Damokles-Schwert über unserer Arbeit als Kirche. Es ist eine Herausforderung, dass wir uns dabei nicht von geringer-werdenden Finanzen den Weg diktieren lassen, sondern trotz der sich verändernden Situation den Weg gehen, auf den Gott uns stellt.

Vor ein paar Tagen habe ich Sie an meiner Begeisterung für den Heidelberger Katechismus teilhaben lassen. Heute eine weitere Frage, die mich in meinem Arbeiten für die Kirche leitet und mir immer neu Mut macht:

Frage 54:
Was glaubst du von der »heiligen allgemeinen christlichen Kirche«?
Ich glaube,
dass der Sohn Gottes
aus dem ganzen Menschengeschlecht
sich eine auserwählte Gemeinde
zum ewigen Leben
durch seinen Geist und Wort
in Einigkeit des wahren Glaubens
von Anbeginn der Welt bis ans Ende
versammelt, schützt und erhält
und dass auch ich
ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin
und ewig bleiben werde.


Gottes Gemeinde besteht seit Anbeginn: Schon mit der Schöpfung sind wir Menschen Gottes Gemeinde; wir sind Kirche (wenn auch nicht „Kirche“ im Sinne unserer Institution heute!). Diese Gemeinde wird von Gott erhalten, weil er sie mit seinem Geist belebt, uns immer wieder mit seinem Wort und unserem Glauben stärkt. Er versammelt uns. Er schützt uns. Er erhält uns. Und jede*r einzelne von uns ist Teil dieser Gemeinde, eine Zusage, die wir nicht verlieren können.

Zwei Gedanken, die ich Ihnen daher ans Herz legen möchte:
Erstens: Ist es nicht wunderbar, wie persönlich wir in diesem Text angesprochen werden? Ein Lehrtext, ein Katechismus, der Glaubenssätze zuspitzt – und gleichzeitig so seelsorgerlich ist: Du bist Teil dieser Gemeinde. Du bist von Gott angesprochen und mit hinein genommen. Du – durch Gott – in Verbindung mit Menschen über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg.

Zweitens: Ist es nicht tröstlich, dass Kirche nicht abhängig ist von den Entwicklungen, in denen wir stehen? Die Pauluskirche haben wir noch genau ein Jahr; danach geben wir als Gemeinde die Kirche ab. Mit abnehmenden Finanzmitteln setzten wir uns bei allen Projekten auseinander. Doch bei all dem dürfen wir sicher sein: Die Kirche, die Gott geschaffen hat, ist nicht abhängig davon. Sie existiert unabhängig davon. Kein Geld, kein Austritt, kein Staat, keine Verfolgung kann diese von Gott geschaffene Kirche gefährden! Mit oder ohne Gebäude, mit oder ohne Angestellte: In dieser Gemeinde sind wir von Gott immer willkommen geheissen!

herzlich,
Claudia Basler

P.S. Und hier noch mal der Link zum ganzen Heidelberger Katechismus:
https://www.heidelberger-katechismus.net/8261-0-227-50.html