Autobahn
30 ist das neue 20
Der Mann ist die neue Frau
Freiheit ist das neue Gefängnis
Reich ist das neue Schlau
Islam ist die neue katholische Kirche und
Deutschland die neue Türkei
Die Schweiz schon bald im Siebengebirge
Und jetzt ist das neue vorbei

Drum wenn Du bald nach Hause kommst
Dann bin ich nicht mehr hier
Ich kann nicht bleiben wie ich bin mit Dir

Zuckerberg ist der neue Columbus
Der Bankmann die neue Aristokratie
Gesundheit der neue Exorzismus
Et la fatigue c'est la nouvelle folie
Nichtraucher sind die neuen Raucher
Alte fühlen sich neu immer jünger
Intellektuell ist neu völlig unbrauchbar
Frei zum bestehlen ist neu Sophie Hunger

Hier, hier, hier
Drum wenn du bald nach hause kommst
Dann such nicht mehr nach mir
Ich kann nicht bleiben wie ich bin mit... dir

Wenn du bald nach hause kommst
Dann such nicht mehr nach mir
Ich kann nicht bleiben wo ich bin trotz dir



Sophie Hunger ist die Künstlerin, die mich im letzten Jahr am meisten beeindruckt und begleitet hat: Vielseitig, vielschichtig, wandelbar. Immer wieder läuft ihre Musik im Hintergrund auf meinem Laptop. Und oft genug wird aus Hintergrund dann Vordergrund, weil ihre Stimme direkt in mich fliesst, weil ihre Texte es einfach in sich haben.
Das Neue ist dabei eines meiner Lieblingslieder, jede einzelne Zeile verdient ein eigenes Hinhören.
Was sagt es aus, wenn der Drang nach „Freiheit“ so sehr zum Zwang wird, dass er für machen ein Gefängnis ist?
Wie hat sich unsere Gesellschaft geändert, wenn „Reich“ den Stellenwert hat, den früher mal „Schlau“ hatte? Wenn folglich Banker die neue Aristokratie bilden? Ist das gut?
Welche Form von Kolonien bilden wir und welche Fehler wie die Einteilung von Menschen in „Herren“ und „Sklaven“ wiederholen wir, wenn Menschen wie Marc Zuckerberg mit Christof Columbus vergleichbar sind? Und welche kulturelle Bereicherung hat das aber auch?
Welche Werte stehen im Zentrum von Schulbildung, wenn intellektuelles Denken kein erstrebenswertes Ziel mehr ist und durch was wir es ersetzt?

Was bei meinen Worten nach moralischem Zeigefinger und nach Trauern um der Vergangenheit willen klingt, hat bei Sophie Hunger eine bestechende Leichtigkeit, frei von Bewertung.

‚Unser Glaube soll immer danach streben die Wahrheit Gottes zu suchen.’ Sagte eine Professorin während meines Theologie-Studiums. Im Glauben bleiben wir immer in der Aufgabe, das bessere zu suchen, Gottes Wege neu zu entdecken. Und damit kann es immer sein, dass wir bereit sein müssen, Fehltritte einzugestehen, Überzeugungen zu korrigieren. Vergangenes nicht einfach fortzusetzen, sondern Zukunft neu zu gestalten.

Jetzt ist das N vorbei.
Damit hat Sophie Hunger recht.
Der Blick nach vorn.
Und damit bleibt mir die Sehnsucht, Veränderungen nicht nur geschehen zu lassen.
Sondern vor der Folie des Gewesenen das Kommende an Gott neu auszurichten.
Morgen ist schon das jetzige Neu.

Seien Sie herzlich gegrüsst,
Claudia Basler