Lichteinfall
AUSSERKIRCHLICHE ORGELKLÄNGE
Nun melde ich mich doch noch einmal mit einer Dosis – die eigentlich vor allem eine Einladung ist: Vor gut einer Woche wurde das renovierte Stadtcasino eingeweiht. Vom kommenden Wochenende an findet das «Orgelfestival» statt, mit dem die neue Orgel eingeweiht wird. Etliche der Organist*innen, die an den Sonntagen jeweils den musikalischen Teil der Gottesdienste verantworten, werden am Samstag eines der Kurzkonzerte bestreiten, die von 11 Uhr an jeweils zur vollen Stunde beginnen – das letzte dann um 22 Uhr (auch Ekaterina Kofanova – um 13 Uhr – oder Nicoleta Paraschivescu – um 11 Uhr). Angaben dazu finden Sie hier: www.ofsb.ch/programm

Natürlich verbinde ich diesen einladenden Hinweis mit etwas Stoff zum Nachdenken: Die Orgel wurde in der Antike erfunden, und zwar nicht für eine kultische Verwendung. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis die Orgel ihre bestimmende Stellung im christlichen Gottesdienst erlangte - so sehr, dass heute viele mit Orgel als erstes «Kirche» (oder gegebenenfalls noch «Friedhof») assoziieren. Viele der besonders berühmten Instrumente stehen in Kirchen – und wer sie hören will, muss «Kirche» in Kauf nehmen. Bei den Orgelkonzerten in der Peterskirche gibt es immer wieder Besuchende, die es nicht verkneifen können anzumerken, sie seien wegen der Musik gekommen sind, aber keinesfalls wegen der Kirche. Umgekehrt kann ich mir vorstellen, dass solche, denen die Orgel vor allem aus dem gottesdienstlichen Rahmen vertraut ist, neu und anders hinhören, wenn die «Königin der Instrumente» – wie nun im Stadtcasino – in einem rein säkularen Kontext erklingt.

Falls Sie eines oder mehrere der geplanten Kurzkonzerte besuchen werden Sie beim Zuhören vielleicht aber auch darüber sinnieren, wie sinnvoll gerade in der Musik die Trennung zwischen religiös und säkular überhaupt ist. Und vielleicht werden sie, wenn ein Orgelstück sie in besonderer Weise anspricht und berührt, es als eine Anrede durch Gott und/oder ein Lob Gottes erleben – ganz unabhängig davon, ob der Komponist oder die Interpretin daran auch nur gedacht haben.

Wenn Sie diese Dosis lesen, bin ich schon weg und geniesse meine Ferien.
Deshalb grüsse ich Sie sehr heiter

Benedict Schubert