Chorwettbewerb 2017 BP_59
Tobe Welt und Springe
November. Ein ruhiger Monat?
Eigentlich nehme ich mir immer Zeit für einen Gottesdienst oder ein Konzert anlässlich des Ewigkeitssonntages. Früher, in meinem Heimatort, habe ich sogar oft Konzerte mitorganisiert. Das war alles andere als ruhig: über 80 Kinder «büschelen» (ich mag dieses Schweizer Wort), dazu internationale Solisten rund ums Konzert begleiten, ein erwartungsvolles Publikum einweisen. Nein, diese Konzerte waren nie ruhig. Ein grosses Konzert war Bachs «Jesu meine Freude» mit der Liedzeile: «Tobe Welt und Springe». Da mein damaliger Heimatort Springe heisst, ergibt die Grossschreibung für mich durchaus einen Sinn. Die Kinder, die Musiker, die Zuschauer – ja, es war eine laute, aber fröhliche Zeit rund um diese Konzerte. Die Welt tobte in Springe, das konnte man so sagen.

In diesem Jahr bleibt es still.
Und trotzdem ist «Tobe Welt und springe» einer der für mich wohl zutreffendsten Sätze in diesem Jahr. Die Welt um uns herum ist aus den Fugen geraten. Ist es die Angst und Unsicherheit, oder die Einsamkeit und Stille, die manchen von uns den Boden unter den Füssen wegzuziehen scheint?
«Ich steh hier und singe» - geht der Text weiter. Das ist ziemlich trotzig. Dieses «ich» steht, hat Rückgrat und singt sogar.
Singen braucht Atem. Heisst es nicht Atem ist Lebenskraft, Atem ist der Hauch Gottes?

Trotz dem alten Drachen,
trotz des Todes Rachen,
trotz der Furcht dazu!
Tobe, Welt, und springe;
ich steh hier und singe
in gar sichrer Ruh!
Gottes Macht hält mich in acht;
Erd und Abgrund muss verstummen,
ob sie noch so brummen.


«Gottes Macht hält mich in acht.»
Mit Gott habe ich diese Lebenskraft.
Ich darf stehen und singen, inmitten dieser verrückten Zeit.


«Jesu meine Freude»: Hören Sie mal rein, und wenn sie mögen, singen sie laut mit.

Kristina Ermatinger

Auf dem Foto sehen Sie Jugendliche des Quilisma Kinder- und Jugendchors aus Springe (D)