Treppe
Die „Hürden“, an denen die Hirten lagern. Eine „gebenedeite Jungfrau“, ...
So schwer ich mich damit tue, wenn wir in der Kirche eine Parallel-Sprache verwenden, die den Graben zu der Alltagswelt tief scheinen lässt, so ist die Weihnachtszeit doch auch eine Zeit, in der mir das gut tut: Es zeigt, wie anders diese Zeit ist!
Demut ist ein Wort, dass im Alltag reichlich angestaubt klingt und das ich im kirchlichen Kontext nur äusserst zurückhaltend verwende. Aber es geht mir nicht aus dem Kopf.

Der Ordensgründer Benedikt von Nursia schrieb für seinen Klosteralltag um das Jahr 540 die Regula Benedicti. Dort beschreibt er die Demutsleiter:

„Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem Leben aufsteigen, dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab und hinaufsteigen.
Ganz sicher haben wir dieses Herab und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf. Die so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel auf, wenn unser Herz demütig geworden ist...“


Je demütiger wir uns den Menschen um uns verhalten, um so höher steigen wir. Je mehr uns dieser Aufstieg zu Kopfe steigt, desto tiefer stehen wir. Ich musste an Eschers Türme und Treppen denken: Stufen, die eben noch nach oben führten, laufen unversehens nach unten. Was die „richtige Richtung“ ist, scheint aus verschiedenen Perspektiven ganz unterschiedlich.
Mir zeigt das den Punkt, an dem ich mich immer wieder hinterfragen muss, an dem ich immer wieder scheitere: Je sicherer ich bin, dass mir „das Gute“ gelingt, desto grösser wird die Gefahr, mich dadurch besser als anderen zu beurteilen. Ein schmaler Grad, eine Aufgabe, die nie erledigt ist, Stufen, die schnell auch wieder abwärts führen.
Hier noch einmal aus der Regula Benedicti:

„Die vierte Stufe der Demut: Der Mönch übt diesen Gehorsam auch dann, wenn es hart und widrig zugeht. Sogar wenn ihm dabei noch so viel Unrecht geschieht, schweigt er und umarmt gleichsam bewusst die Geduld. Er hält aus, ohne müde zu werden oder davonzulaufen, sagt doch die Schrift: ‚Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.’ Ferner: ‚Dein Herz sei stark und halte den Herrn aus.’“

Mit demütig-übenden Grüssen,
Claudia Basler