screenshot Maria
Als Kind beindruckte mich ein Besuch mit meiner Grossmutter im Pergamonmuseum in Berlin: das unverwechselbare Blau des Ischtartores, 8 Meter hoch, die flankierenden Löwen... Unbedingt wollte ich meinen Kindern das auch zeigen, als wir vor einigen Jahren in Berlin waren. Doch damals blieb ich vor allem an der Islamischen Sammlung hängen: Ausgestellt ist dort die Wandvertäfelung eines Empfangszimmers aus Aleppo. Ein Zimmer, in dem ein reicher, christlicher Kaufmann um 1600 seine Zulieferer und Kunden empfing, Kontakte knüpfte und pflegte, Geschenke entgegen nahm und Tee anbot, Verträge abschloss. Ideal gelegen auf der Seidenstrasse, so dass die Menschen aus dem Orient, aus Asien, aus Europa kamen, ein bunter Kulturenmix – und ein aufeinandertreffen der Religionen. So sind in den Darstellungen der Wandvertäfelung Motive verschiedenster Religionen abgebildet, zum Teil miteinander verschmolzen: Alle Menschen dort sollten sich wohl fühlen, alle sollten sich angesprochen fühlen. Ökumene und interreligiöser Dialog des 17. Jahrhunderts. Das Haus, aus dem die Wandvertäfelung ins Museum verfrachtet worden war, so hiess es in der Tafel im Museum, stehe noch heute im Zentrum Aleppos. An sich finde ich es höchst fragwürdig, wie Kunstschätze aus anderen Ländern in kolonialer Manier lange Zeit exportiert wurden. Aber...

Wenige Wochen später wurde Aleppo quasi dem Erdboden gleich gemacht.

Kriegerische Gewalt gegen Völker und Kulturen zieht mir das Herz immer besonders zusammen. Neben dem Ende eines Lebens geht es auch immer um das Ende einer Identität, um das Ende von Erinnerung. Dass die Vertäfelung ihrem Schicksal entging und im Museum somit in Sicherheit war, ist für mich wie ein keimendes Blatt inmitten von Nichts.
Über der Karwoche steht genau diese Spannung: Gewalt, Angst und Machtanspruch führt zum Tod, zur Zerstörung. Doch das behält nicht das letzte Wort. Eine Inschrift des Zimmers lautet: „Im Namen Gottes, des Schöpfers der Lebenden und der Sprechenden.“ Die Darstellungen des „Aleppo-Zimmers“ leben und sprechen seit über 400 Jahren von Toleranz und Dialog.
Im Bewusstsein unserer eigenen Verstrickungen werden wir die Letztgültigkeit des Lebens und der Vergebung nächste Woche wieder feiern.

Ihre Claudia Basler


Hier bekommen Sie einen Eindruck von dem „Aleppo-Zimmer“ im Pergamonmuseum:
Das Aleppo-Zimmer im Pergamonmuseum

Das Bild oben ist ein screenshot aus dem Film: Das letzte Abendmahl (längs) und Maria mit dem Kind (klein).


Ab Montag bis Gründonnerstag feiern wir in der Peterskirche wieder unsere Passionsandachten: Herzliche Einladung jeweils um 18.15 Uhr! (Bitte mit Anmeldung...)
Und: In der Peterskirche liegt unsere druckfrische Broschüre "Gedanken zur Osterzeit. Ein Spaziergang im Botanischen Garten" auf, mit Gedichten und anderen Texten. Bitte bedienen Sie sich!