Fenster Mädchen
... auf Kipp genügt!
Die Geburt war einmalig; der Tod zum Glück auch nur einmal auszuhalten. Die Auffahrt war nur ein flüchtiger Moment. Der Geist kam einmal endgültig auf die Erde.

Mit den Feiertagen wiederholen wir nichts, was bereits geschehen ist. Aber die Erinnerung ist gut: Sie stellt uns hinein in einen Kreis, der doch eigentlich eine Gerade ist, eine Linie hin zu Gott. So erleben wir, was längst gewesen ist, werden Teil. Erinnerung als ein Zeitensprung.

Neulich las ich einen Text von Oliver Spies:

Male ein Fenster in die Luft und stoss es auf!
Atme Erinnerungen wie Morgenluft tief ein.
Strecke Gedanken in die Abendsonne.
Lehne dich aus dem Fenster hinaus.
Reiss die Augen auf. Ganz weit!
Leg dir ein Kissen auf die Fensterbank.
Erwarte neugierig alles und nichts zugleich.
Ruf einen Namen durch das Fenster. Lauter!
Plauscht etwas miteinander.
Winkt euch zum Abschied zu!
Dann schliess das Fenster wieder.
Aber nicht ganz!
Auf Kipp genügt.


Ich wünsche Ihnen für die kommenden „Erinnerungs-Tage Begegnungen und Gespräche durch das offene Fenster, ich wünsche Ihnen gottfarbenen Luftzug durch das gekippte Fenster!

Ihre Claudia Basler