Cocovado_Cristo Rei
IN CHRISTUS
In eine äusserst knappe Formel fasst Paulus, was an Ostern und wegen Ostern mit uns passiert. Wir sind jetzt, schreibt, «in Christus». Das griechische Original ist weder länger, aber auch nicht klarer: «en Christo».

Diese Formel ist wunderbar knapp. Es braucht keine langen Übungen, um sie auswendig zu lernen. Ich bin in Christus. Du bist in Christus. Er, sie ist in Christus. Wir sind in Christus. Ihr seid in Christus. Sie sind in Christus.

Gleichzeitig ist sie ebenso wunderbar vieldeutig – und ich würde all denen eher misstrauen, die forsch behaupten, nur genau dies oder das habe Paulus «wirklich» gemeint.

Du bist in Christus: Das höre ich als Zusage, dass ich in einen weiten, hellen Raum gestellt bin, in dem mir osterwunderlich leicht fällt, was mir schier unmöglich schien: grosszügig sein, zum Beispiel. Oder nachsichtig. Oder klar. Oder mutig. Oder sehr geduldig. Oder aufmerksam. Oder schlicht still.

Wir sind in Christus: Das öffnet mit die Augen dafür, dass wir – zum Beispiel als Kirchgemeinde in unseren sich kreuzenden Strategieprozessen – hineingehören in eine vielfältige, vielfarbige, reichhaltige, weltweite Gemeinschaft, in der wir einander gegenseitig herausfordern, inspirieren, unterstützen, irritieren (auch wenn nicht immer heilsam...).

Ich bin in Christus: Geborgen bin ich in einem Schutzraum, geschützt vor den «Pfeilen des Bösen», in Sicherheit vor all dem, was nach Tod und Teufel riecht. Zum Leben bin ich bestimmt, fürs Leben reserviert.

Er, sie ist in Christus: Damit werden alle Bilder, die ich mir von jemandem mache, in gesunder Weise relativiert. Ich kann noch einmal, und noch einmal hinschauen und das wahrnehmen, «was von Gott in jedem, jeder ist». (Die Wendung, die ich hier zu übersetzen suche stammt von George Fox. Er schrieb in seiner «General Epistle» an seine «Socitey of Friends» [Wir nennen sie auch «Quäker»]: ...Then you may walk cheerfully over the earth, answering that of God in everyone.)

Mit österlichen Grüssen - IN CHRISTUS

Benedict Schubert