SONNTAGSZEICHNUNGEN
«Wenn ich an meinen Sonntasgzeichnungen arbeite, geht es nie um einen plötzlichen Funken von Inspiration. Ich nehme irgendeinen Gegenstand, und dann schaue ich ihn einfach an. Ich betrachte ihn aus verschiedenen Winkeln, spiele mit dem Licht (üblicherweise einfach, indem ich meine Schreibtischlampe verschiebe). Und ich bemühe mich, meinen Geist so weit zu öffnen wie möglich um zu schauen, ob ein bestimmter Winkel mich an eine vertraute Form erinnert.

Öfter als nicht führt das zu... nichts.

Und wenn doch, zweifle ich daran, dass ich eine besondere Gabe hätte, solche visuellen Verknüpfungen zu machen. Ich habe einfach die Kraft durchzuhalten, auch dann noch hinzuschauen, wenn eine gesündere Person schon längst das Vernünftige getan und einfach mit ihrem Leben weitergemacht hätte. (...I have the stamina to keep on staring, when a saner person would do the reasonable thing and get on with their life instead.

Das ist der Kommentar, den der New Yorker Künstler Christoph Niemann auf seiner Webseite zu den «Sunday Skteches» macht, die er dort zeigt (www.christophniemann.com/detail/sunday-sketches-2/). Es ist eine Serie von humor- und liebevollen Tusch- oder Pinselskizzen, in die ein Objekt integriert ist, das Niemann gerade zur Hand hatte.

I have the stamina to keep on staring… Einer unserer Söhne hat mich auf diese Sonntagszeichnungen aufmerksam gemacht. Ich war bezaubert – und besonders begeistert von diesem einen Satz vom Durchhalten.
«To have the stamina...» heisst so viel wie: Die Durchhaltekraft und den Durchhaltewillen haben...» Es bezeichnet also nicht eine passive, sondern eine sehr aktive Haltung. Schreibt Niemann damit nicht etwas, was sehr schön das beschreibt, was Menschen tun, die sich in der Betrachtung, in der Meditation üben?

Es gibt gewiss Menschen, denen die Betrachtung etwas näher liegt und deshalb leichter fällt als anderen. Doch gerade Menschen, die sehr geübt sind in der Meditation werden bestätigen: Das Geheimnis von Gottes Gegenwart, das aus dem, was uns im Alltag begegnet, etwas Schönes macht, etwas Gutes, etwas, was unser Leben reich macht – dieses Geheimnis erschliesst sich denen, die die Geduld aufbringen, warten können. Sie betrachten eine ziehende Wolke, einen Text, eine Blume, ein Bild, einen Bach, einen Losungs- oder Liedvers, eine brennende Kerze... so lange, bis sie eine vertraute Form erkennen. Eine, die ihr Vertrauen stärkt. Und die Liebe.

Mit geduldigen Grüssen

Benedict Schubert
EIN LIED ZUM THEMA
Callemos hermanos y vuelva el silencio
Que ya hemos perdido el don de escuchar
Y en este tumulto de nuestras palabras
Somos incapaces de escuchar a Dios
Callemos hermanas y que hable el señor

Los hombres llevamos mil máscaras vanas
Para no encontrarnos con nuestra verdad
Tememos mirarnos de frente a los ojos
Y al ver lo que somos, tener que cambiar
Callemos hermanas y que hable el señor

Kommt, lasst uns nun schweigen, es kehre ein Stille,
die Gabe zu lauschen ging uns schon verlor'n.
In allen Geräuschen, im Lärm unsrer Wörter,
wie wollen wir hören, was Gott zu uns sagt?
Kommt, lasst uns nun schweigen, Gott komme zu Wort!

Wir tragen als Menschen gern nutzlose Masken;
niemand soll sehen, was wir wirklich sind.
Uns selbst zu erkennen, macht uns zu viel Angst,
uns ändern zu müssen, weil wir sind, wie wir sind.
Kommt, lasst uns nun schweigen, Gott komme zu Wort!

Das Lied fand ich vor einer Weile in einem lateinamerikanischen Liederbuch. Nun ist es mir zum Thema «Betrachtung» in den Sinn gekommen. Leider habe ich auf Youtube keine wirklich gute Version gefunden. Was bei mir auftauchte, hat mich nicht angesprochen. Am ehesten noch dieser freundliche singende Padres: www.youtube.com/watch?v=2OvSKdBZNCI
Für Interessierte hätte ich Noten...