Reformierte Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz

OFFLINE: Eröffnungsfest

2017-09-01-PHOTO-00009011<div class='url' style='display:none;'>/kg/gundeldingen-bruderholz/</div><div class='dom' style='display:none;'>erk-bs.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>601</div><div class='bid' style='display:none;'>9512</div><div class='usr' style='display:none;'>423</div>

Notizen zum Eröffnungsfest von OFFLINE, dem Oekumenischen Zentrum für Meditation und Seelsorge auf dem Bruderholz, am 1. September 2017, in der Titus Kirche Basel

– angelehnt an «Gebet des Klosters am Rand der Stadt» von Silja Walter –
WENN ETWAS NEUES ENSTEHT

Jemand muss es glauben, um das Tor zu öffnen
Die früheste Vision eines gemeinsamen oekumenischen Unterwegsseins auf dem Bruderholz lässt sich zurückverfolgen bis zur «1. Oekumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung» in Basel 1989: auf dem Heimweg im gemeinsamen Taxi entstand der Gedanke einer oekumenischen Arbeitsgruppe – die daraus folgende regelmässige Veranstaltung, das oekumenische Morgengebet, gibt es noch immer. Später wurde einmal im Monat an einem Sonntagabend die Titus Kirche zum Ort der «Stille».

Jemand muss es kommen sehen durch die Gitter der Häuser und der Worte
Sich konkretisierende Pläne müssen denen vorgetragen werden, die Verfügungsgewalt haben, denn ein Zentrum für Meditation und Seelsorge kann nicht frei schweben, sondern muss sich auf dem Boden der gelebten Kirche installieren. Dazu ist es notwendig, dass die ProtagonistInnen glaubwürdig sind, ihre Sache gut durchdacht haben und sie einleuchtend begründen.

Jemand muss singen,
singen davon, warum ein solches Zentrum nötig ist, wie es aussehen könnte, was es bewirken kann, woher es seine Kraft schöpft, was die Aufgaben sein werden: das Suchen nach Stille mitten im Trubel des Alltags, das Erleben christlicher Spiritualität über die Konfessionen hinweg, die Prävention von Sucht und Stress, das Fördern von Frieden, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Jemand muss singen von der Dankbarkeit all den Menschen gegenüber, die ihre zeitlichen, finanziellen, beruflichen Möglichkeiten eingebracht haben.

Jemand muss es aushalten ohne davon zu laufen
Ein nie dagewesenes Projekt nötigt allen Beteiligten neue Überlegungen ab: juristische Abklärungen mit all ihren Hindernissen, das Warten auf Nachricht, damit ein nächster Schritt getan werden kann, das Suchen nach räumlichen, finanziellen und fachlichen Ressourcen, eine gewisse Skepsis auch – aushalten und nicht davon laufen, das muss jemand tun!

Jemand muss zuhause sein und wachen
Jemand muss die Aufgabe der Gastgeber wahrnehmen, muss nach den Gästen Ausschau halten, zuhause sein, wenn sie kommen, ihnen für eine Weile Heimat bieten.
«Wachen ist unser Dienst. Wachen auch für die Welt.»


All dies klang an in den Worten, des Vorstandes und der Projektleitung (Lothar Kätterer, Monika Widmer, Anne Lauer).
Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel Stadt und Gabriele Tietze Roos, Regionalverantwortliche Bischofsvikariat St. Urs, Bistum Basel, verorteten das neue Zentrum strukturell im Rahmen der Kirchen, aber inhaltlich auch im Rahmen dessen, was heute Not tut: nämlich der Angst der Menschen, in der Hektik des Alltags etwas zu verpassen, der vermeintlichen Notwendigkeit, noch schneller und noch intensiver zu leben, etwas entgegenzusetzen. Die Gründung eines geistlichen Projektes der beiden Kirchen gelte es zu feiern.

Die Pause mit dem feinen Apéro riche wurde zu reger Unterhaltung und Begegnung genutzt, aber auch, um den Grussworten von Frank Lorenz, Coleiter der – ebenfalls oekumenischen – «Offenen Kirche St. Elisabethen» und Marc-André Wemmer, Pfarrer an der Kirche Heiliggeist zuzuhören. Ihnen beiden war das gemeinsame Dach der einen Familie der Christen wichtig, ebenso die Hinweise auf die zukünftige innerliche und äussere Bedeutung des Zentrums und der Dank an Initiatoren und Stifter.

«OFFLINE – Wüstenzeit für heutige Menschen. Was wir von den Wüstenvätern lernen können.»
Mit seinem Referat schlug Daniel Hell, ehemaliger Leiter der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, die Zuhörer in seinen Bann.
Medizinische Fortschritte, Techniken der bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung haben heute eine grosse Attraktivität, und sind an ihren Orten auch sinnvoll. Aber sie können nicht helfen, sich in den Menschen einzufühlen. Zwar werden Techniken der Meditation angewandt, um gelassener zu werden, mehr leisten zu können. Aber diese Funktionalisierung ist keine Hilfe bei tiefen seelischen Krisen, wie z.B. Depressionen.
Hier ist ein anderer Zugang nötig: das Hören nach innen.
Worauf vertraue ich, was hält mich im Tohuwabohu des Lebens? Die Wüste als Urbild der Erneuerung mit Hitze und Kälte, als Ort des Todes und des Lebens nötigte den Wüstenvätern des Altertums erhebliche Anfechtungen von Depression und Selbstreflexion ab, ermöglichte ihnen dadurch aber auch ausserordentliche Erfahrungen. Ihre Grundfrage war: «Wer bin ich eigentlich? Was wird mir an mir selbst klar, wenn ich mich der Stille und äusseren Reizlosigkeit aussetze?» Ihre Grunderkenntnis: es gibt keine persönliche Erkenntnis ausserhalb der selbst gemachten Erfahrung.
Mit Geschichten aus der reichen Sammlung von Selbsterfahrungen der Wüstenväter illustrierte Daniel Hell ihre Antworten auf solche Fragen.

Eine Oekumenische Abendfeier mit Wort und Musik beschloss diesen eindrücklichen Abend (Monika Widmer, Anne Lauer, Susanne Jenne-Linde, Orgel, Markus Mahlstein, Viola).


Waldtraut Mehrhof
Autor
Samuel Sarasin

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