Reformierte Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz

Reisebericht der Gemeindereise nach Israel/Palästina

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ALLE REISEN HABEN EINE HEIMLICHE BESTIMMUNG, VON DER DER REISENDE NICHT AHNT (Martin Buber)
Am 1. September 2019 starteten 22 Menschen - Mitglieder der Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz und einige Zugewandte - zur Gemeindereise nach Israel und Palästina. Am 13. September kehrten alle wohlbehalten zurück, voller Eindrücke, von denen sie vorher nicht geahnt hatten
Dieser Bericht ist ein Versuch.
Das Heilige Land ist ein Buch. Wo immer man geht und steht, wird man mit Worten der Heiligen Schrift konfrontiert; damit man sich nicht wie eine Analphabetin vorkommt, ist es gut, wenn man sich landes- und bibelkundiger Orientierung anvertrauen kann – mit Regula Alon, unserer schweizerisch-israelischen Führerin und unseren beiden Pfarrerinnen, Monika Widmer und Ilona Monz, hatten wir dies. Nicht vergessen werden darf Raid, unser sorgfältiger arabischer Busfahrer.

Immer wieder waren wir trotz grosser Hitze zu Fuss in der Landschaft unterwegs, durch die Gegend der Jordanquellen und ein Naturschutzgebiet wandernd, auf Berge und Aussichtspunkte kletternd, um besondere geschichtsträchtige Orte zu erreichen, uns beim Einkauf in den Suks von Jerusalem zu einem Tee einladen zu lassen.

Unsere vier Unterkünfte spiegeln verschiedene Aspekte der Geschichte und der Lebensweise der Menschen in diesem Land:
Zu Beginn waren wir in einem Kibbuz-Hotel am See Genezareth untergebracht, dann in einem Beduinencamp im Negev, die dritte Unterkunft war ein riesiges Hotel mit Lift und Pool am Toten Meer und zum Abschluss beherbergte uns ein Kloster mitten in Jerusalem.

Von jeder dieser Unterkünfte starteten wir zu den in der Nähe gelegenen Orten:

Der See Genezareth ladet ein zum schwimmen und zu einer Bootsfahrt, die Seligpreisungen auf dem Berg mit Blick auf den See und auf Magdala zu lesen, ist ein besonderes Erlebnis. Am nächsten Morgen eine veritable Bergbesteigung für die, die sie sich zutrauen, Nazareth mit der Verkündigungskirche, Wanderungen für alle im Gebiet der sprudelnden Jordanquellen inklusive Fussbad, Einblicke nach Syrien von den Golanhöhen aus, die heute nicht mehr wie noch vor wenigen Jahren durch Soldaten, sondern durch Drohnen überwacht werden. In einem von dort ansässigen Drusen geführten Restaurant mit Blick auf einen Kratersee, den wir nie dort vermutet hätten, schmeckte uns das traditionelle Mittagessen. Kapernaum, Tabgha, die Kirche zur Erinnerung an die Speisung vieler mit zwei Fischen und fünf Broten gehörten ebenfalls zu den Erlebnissen dieses Tages.

Im Negev: Auf dem Weg zu unserer nächsten Übernachtungsstelle, einem Beduinencamp auf etwa 800 m Höhe mitten in der Wüste Negev machten wir Halt an der Stelle, von der man vermuten kann, dass sie Jesu Taufstelle im Jordan war; der Fluss ist hier sehr schmal, Jordanien direkt gegenüber – die Stelle dort ebenfalls voller Touristen, auf unserer, der israelischen Seite etliche Täuflinge mit ihren Priestern. Die Oase Jericho: sass der Zöllner Zachäus wirklich auf diesem Baum und an dieser Stelle? Man weiss es nicht, aber es wird berichtet, dass Jesus bei ihm einkehrte. Qumran, Fundort bedeutender alttestamentarischer Schriftrollen (Jesaijarolle) und das Hochplateau von Masada, Felsenfestung des Herodes mit seiner tragischen Geschichte aus dem Jahr 74 n. Chr. erwandern wir in grosser Hitze ebenso wie Ein Gedi mit seinen Höhlen, von denen man berichtet, dass sich David hier vor König Saul versteckte – wir stellen uns auf Empfehlung von Regula samt Kleidung unter den ersten der herrlichen Wasserfälle und haben so eine Klimakammer am Leib, die uns den Aufstieg erleichtert; oben angekommen sind die Kleider trocken.
Auf dem weiteren Weg machen wir kurz Halt in Arad, einer der zahlreichen, in der Wüste neu gebauten Städte, angelegt für die vielen Neuankömmlinge (1 Million Russen allein in den 1990er Jahren), die man nicht in Tel Aviv, Jerusalem oder andernorts im Norden unterbringen konnte oder wollte. Die Wohnungen hier sind einigermassen erschwinglich, das Volksgemisch aus Armen, Orthodoxen, Russen u.a. nicht immer friedlich.
Die Wasserversorgung in der Wüste geschieht durch entsalztes Meerwasser.
Im Camp wartet nach feinem Essen ein kleiner Kamelritt bei einbrechender Dunkelheit durch die umgebende Steinwüste auf uns. Bei einem Lagerfeuer erinnerten wir uns einiger Lieder, die wir auswendig konnten, und Alek holte seine Oboe hervor.

Am Toten Meer konnten wir uns in einem „richtigen Hotel“ mit Pool einen freien Tag nehmen: Tourismus pur und sich treiben lassen im 35° warmen Salzwasser mit eindrücklichen Salzknollen am Boden, auf die man besser nicht barfuss trat. Wer sich mit Kosmetikprodukten der bedeutenden hier ansässigen entsprechenden Industrie versorgen wollte, kam buchstäblich auf seine Rechnung.

Jerusalem. Unterwegs vom Toten Meer nach Jerusalem hätten wir eigentlich in Hebron Station machen sollen; Herr Netanyahu hatte allerdings mit seinem Wahlbesuch eine gewisse Verunsicherung ausgelöst, sodass wir einen anderen Weg nahmen – Sicherheit geht vor, und die Sarkophage der Erzväter sind zwar eindrücklich, aber wahrscheinlich leer. Angekommen in der lauten, verkehrsreichen unruhigen Stadt öffnet sich unserem Bus ein Tor, und es umfängt uns der Innenhof eines Klosters – Ruhe und (fast) Stille: unsere Oase für die letzten Tage und Nächte im Heiligen Land.
Von hier aus erkunden wir die Altstadt, Davidstadt mit antiker und noch immer lebendiger Wasserversorgung, Westmauer mit ausgelassen Bar Mizwa Feiernden, Tempelberg (Haram esh-Sharif) mit Kontrollschleusen, Golgotha, Teich Bethesda, die Suks, den Obersten Gerichtshof – ein architektonisches Juwel! Die Knesset war wegen der anstehenden Wahlen für uns Touristen nicht zugänglich. Eine immer wieder schwierige Lektion bescherte uns der Herzlberg (Berg des Gedenkens) mit dem Herzlmuseum, Yad Vashem und dem Sternenhimmel im Saal des Gedenkens an die ermordeten Kinder. Unter den zahlreichen Gedenksteinen für die „Gerechten unter den Völkern“ im Park um die Gedenkstätte finden wir auch einen für Paul Grüninger.
Eine Abendfahrt mit dem Bus durch das Viertel Mea Schearim, die Wohngegend der ultraorthodoxen Juden: ein Gewimmel in schwarz.

Einen ganzen Tag widmen wir dem Besuch von Palästina mit Ramallah und Bethlehem. Die Begegnungen mit christlichen Palästinensern erfordern offene Augen und Ohren – und die haben wir. In Ramallah besuchen wir die Arab Evangelical School and Home, der wir über den Schweizer Zweig des „Verein der Freund Ramallahs“ jedes Jahr eine unserer Weihnachtskollekten zukommen lassen. Schule und Wohnheim haben einen so guten Ruf, dass auch viele muslimische Eltern Wert darauf legen, ihre Kinder hier zur Schule schicken zu können. Unsere „Hutkollekte“ am Schluss der Führung ergibt einen beachtlichen Betrag in allen möglichen Währungen.
Faten Mukarker empfängt uns mit ihrer Familie in Bethlehem zu einem wunderbaren ortsüblichen Mittagessen. Währenddessen berichtet die in Deutschland aufgewachsene Frau in orientalischer Erzähltradition aus ihrem Leben und von der Situation auf der Westbank. Ihr Sohn führt uns im Anschluss zuerst dahin, wo wir uns mit schönem Schmuck und anderen Erinnerungsstücken versorgen können – zuerst darum, weil er von einem Kollegen erfahren hat, dass die Geburtskirche überfüllt ist; seine Rechnung geht auf: als wir eine knappe Stunde später vor der Kirche stehen, haben wir sie fast für uns allein – bis hinunter zur Geburtsgrotte, wohin man des Andrangs wegen nur selten kommt.

An einem der Abende in Jerusalem ist Tamar Avraham bei uns zu Gast. Die katholische Theologin, Historikerin und Forscherin ist eine zum Judentum konvertierte ehemalige Deutsche. Sie macht uns u.a. mit der Geschichte der „Nakba“ der grossen Katastrophe der Palästinenser nach der Gründung des Staates Israel bekannt, ein Aspekt der Geschichte des Landes, der kaum allen bekannt war.

Zwei Wochen voller Reichtum, neuer Erfahrungen, erstaunlicher Begegnungen, Gespräche, unvorhergesehener Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart liegen hinter uns –aber nur zeitlich. Es arbeitet weiter.


Mit herzlichem Dank an alle, die uns einen weiten Erfahrungshorizont ermöglicht haben, schliesse ich mit einem weiteren Satz von Martin Buber:

ICH HABE KEINE LEHRE, ICH FÜHRE EIN GESPRÄCH


Bericht: Waldtraut Mehrhof / Bilder: Sabine Bürk
Autor
Monika Widmer

aktualisiert mit kirchenweb.ch
Besuche: 3 heute, 221 Monat - Bereitgestellt: 20.09.2019