Reformierte Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz

Politisches Frauennachtgebet in der Offenen Kirche Elisabethen

20192011_politisches Frauen Nachtgebet-5<div class='url' style='display:none;'>/kg/gundeldingen-bruderholz/</div><div class='dom' style='display:none;'>erk-bs.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1614</div><div class='bid' style='display:none;'>14310</div><div class='usr' style='display:none;'>415</div>

Ein mutiger und bewegender Anlass hat am Mittwochabend, 20.11.19 in der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) stattgefunden. Unsere Gemeindepfarrerin Monika Widmer hat in ihrer Funktion als reformierte Pfarrerin von OFFLine, zusammen mit Monika Hungerbühler, katholische Theologin und Co-Leiterin der OKE, zu einem ökumenischen „politischen Frauennachtgebet“ eingeladen.
Cornelia Mäder
Anlass war der türkische Einmarsch in Nordsyrien Anfang Oktober mit dem Ziel, die vorwiegend kurdische Bevölkerung aus der Provinz Rojava zu vertreiben. Frauen, Kinder und Männer versuchten dort seit dem Sieg über den IS, ein friedliches und demokratisches Zusammenleben aufzubauen. Die Gleichstellung der Geschlechter und die gegenseitige Akzeptanz, unabhängig von ethnischer und religiöser Zugehörigkeit, spielten als Leitziele dieses neuen, noch sehr fragilen Gesellschaftsmodells eine wichtige Rolle. Das in der Region einzigartige Modell ist nun durch die rücksichtslose Macht- und Expansionspolitik der türkischen Regierung jäh und äusserst brutal zerstört worden.
Darüber wurde in diesem politischen Nachtgebet informiert. Besonders betroffen gemacht hat mich der Bericht über eine in der Region bekannte Aktivistin - eine wunderschöne junge Frau -, die in den ersten Kriegstagen vom türkischen Militär entführt, gefoltert und umgebracht worden ist. Diese abscheuliche Tat sollte wohl auch ein trauriges abschreckendes Beispiel für die Zivilbevölkerung sein.
Es wurde aber nicht nur informiert und getrauert an diesem Abend. Monika Widmer und Monika Hungerbühler setzten im gemeinsamen Gebet ein starkes Zeichen der Solidarität und der Hoffnung mit den bedrängten Frauen, den bedrängten Menschen in Nordsyrien. Durch das gemeinsame Anzünden von Kerzen und dem gemeinsamen Lauschen der wunderschönen Klänge der armenischen Flötistin Tamar Eskenian und dem Ensemble „Eskeniangeli“ entstand ein Gefühl der Gemeinschaft. Viele der kurdischstämmigen Teilnehmer*innen - darunter die Basler Nationalrät*innen Sibel Arslan und Mustafa Atici - sind wohl selbst nicht christlich, und dennoch sind sie zahlreich in die Kirche geströmt. Während zu Beginn des Anlasses die Stühle in der OKE eher noch spärlich besetzt waren, füllte sich der Kirchenraum im Laufe des Abends mehr und mehr. So waren schliesslich rund hundert Menschen im Klagen und Gedenken versammelt, hauptsächlich Frauen, aber auch etliche Männer und Kinder.
Die Liturgie des politischen Nachtgebets geht zurück auf eine Initiative des „Ökumenischen Arbeitskreises Köln“ im Jahr 1968. Dieser Arbeitskreis wurde massgeblich mitgeprägt von der bekannten deutschen feministischen Theologin Dorothee Sölle. Dorothee Sölle stellte sich die Frage, ob „theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen“ überhaupt Sinn mache.
Was damals in den Kirchen hoch umstritten war und zu diversen Sanktionen von Seiten der Kirchenleitungen führte, hat auch gut 50 Jahre später nichts an Aktualität eingebüsst, nämlich die Frage: inwieweit soll, darf, muss sich die Kirche in gesellschaftspolitische Fragen einmischen; inwiefern soll, darf, muss die Kirche öffentlich für die Unterdrückten und Verfolgten Stellung beziehen?
Deshalb möchte ich den beiden engagierten Kirchenfrauen Monika Hungerbühler und Monika Widmer von ganzem Herzen danken für ihren Mut, gemeinsam mit politischen Frauenorganisationen in der OKE ein politisches Frauennachtgebet zu gestalten, das ganz von christlicher Nächstenliebe und Solidarität geprägt war. Das Kerzenmeer am Ende der Liturgie brachte Licht und Hoffnung in die Dunkelheit, im wahrsten wie im übertragenen Sinne.
Cornelia Mäder, Gemeindekreis Titus, Präsidentin der Begleitkommission für weltweite Kirche der ERK BS
Autor
Monika Widmer

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