"Hope Dies, Action Begins"

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Spannendes Podiumsgespräch zur Klimakrise - In der Themenreihe «Gott im Klima?» beschäftigten wir uns im Forum für Zeitfragen mit Themen rund um die Klimakrise. Das Podiumsgespräch «Hope Dies, Action Begins» am Mittwoch, 17. März 2021 um 19.00 online war die dritte Veranstaltung in der Reihe. Im Gespräch waren Caroline Schröder Field, Fina Girard und Axel Schubert unter der Moderation von Andreas Möri.
Leila Thöni
Es ist kurz vor 19 Uhr. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen. Alle Mitwirkenden sitzen auf ihrer Startposition, was seit einer Weile so viel heisst wie: Zuhause oder in einem Büro, mit dem Bildschirm vor der Nase. Wenn ich meine Augen schliesse, kann ich fast fühlen, wie es wäre, wenn wir uns in einem Saal befänden und das Publikum langsam die Plätze füllt. Ein schönes Gefühl, dieses kleine Stück alte Realität in diesem virtuellen Format. Es ist ein brisantes Thema, was heute Abend diskutiert wird, das spürt man den Leuten und dem Andrang an. Wie gehen wir mit der Dringlichkeit des Problems um? Wie können wir ohne Schönfärberei von Hoffnung sprechen? Wie kommen wir von einer persönlichen Betroffenheit ins Handeln?

Es sind drei in der Klimabewegung engagierte Persönlichkeiten zu Gast: Caroline Schröder Field, Münsterpfarrerin und Mitglied des Initiativkomitees der Klimagerechtigkeitsinitiative Basel2030; Fina Girard, Klimastreikende, junges grünes bündnis nordwest; sowie Axel Schubert, Dozent Nachhaltigkeit FHNW, Initiativkomitee und Mitinitiant der Klimagerechtigkeitsinitiative Basel 2030.

Dem Gespräch voran geht ein kurzer Inputvortrag von Axel Schubert, in welchem er die Dringlichkeit beleuchtet und die aktuelle Klimakrise als ganz eindeutig menschgemacht aufzeigt. Er zeigt Grafiken, die die verheerenden Auswirkungen zeigen, die der Planet und mit ihm auch der Mensch erfahren wird, sofern der CO2 Ausstoss nicht in absehbarer Zeit auf Netto 0 gesenkt werden kann.
Es sind Fakten, die nicht angenehm sind zu hören, von denen man teilweise schon zu gut weiss und die einem unumgänglich persönlich betroffen machen. Fina Girard sagt, dass es sich keine Gruppierung mehr leisten kann, nichts zu tun. Axel Schubert schliesst an dieses Votum an, dass die Idee des Stellvertretertums niemanden weiterbringt. Das sei eine Idee, an der noch immer zu viele festhalten, um sich zu beruhigen.
Auf die Forderung, dass es deutlichere Schulterschlüsse zwischen Institutionen, Parteien, Generationen und Individuen kommen muss, um eine wirksame Veränderung zu bewirken, kommt das Gespräch immer wieder zurück.
Eine theologische Perspektive bietet Caroline Schröder Field: als kollektive Menschheit wurde uns die Bewahrung der Schöpfung aufgetragen. Das motiviert sie selber, sich zu engagieren. Fina Girard bewegt ebenfalls das Gruppengefühl. In ihrem Fall spricht sie davon, wie sie und andere Jugendliche endlich einen Handlungsraum fanden in den Klimastreiks. Endlich den Mund aufmachen zu können und damit nicht alleine zu sein.
Alle drei sprechen davon, dass ihr Antrieb zu handeln letztlich aus der Dringlichkeit hervorgeht, die überall sichtbar wird. Axels Statement, sich so intensiv einsetzen zu müssen, da es ihn sonst zerreisse, geht mir und bestimmt vielen unter den rund 65 im Zoom-Meeting versammelten Teilnehmer*innen unter die Haut. Bleibt dabei noch Hoffnung und wodurch wird sie genährt bzw. zerstört?
Axel Schubert erteilt der Hoffnung auf Erlösung aus der Verantwortung eine Absage. Fina Girard äussert sich zur Zweischneidigkeit der Hoffnung, die auf die Jugendlichen gesetzt wird. Einerseits sei es toll, dass den Jugendlichen zugetraut wird, etwas zu bewirken. Anderseits laufe man dabei Gefahr, sich zurückzulehnen und die Jugendlichen das Problem regeln zu lassen. Es braucht alle Generationen, niemand kann auf Dauer so weitermachen wie bisher, wenn sich etwas ändern soll. Es braucht Wertschätzung und Mitarbeit.
«Emanzipation schmerzt», sagt Axel Schubert gegen Ende des Gesprächs. Es brauche ein neues Emanzipationsverständnis. Eines, das nicht auf individuelle Autonomie zielt, sondern auf Freiheit in gesellschaftlicher Verpflichtung. Dabei ist egal, an welchem Punkt jemand in diesem Moment steht, jetzt ist der Moment anzufangen.
Nun ist es an der Zeit, das Gespräch für alle zu öffnen. Das aktive Zuhören, mit entsetztem Kopfschütteln und zustimmendem Nicken, mit betroffenen Gesichtern oder Augen voller Tatendrang, geht weiter. Alle sind gespannt, welche Beiträge zu unserem bewegenden Thema noch aus der Runde kommen.
Die Frage nach der Berechtigung von zivilem Ungehorsam fordert die Podiumsteilnehmenden nochmals heraus. Zwei weitere Voten sind mir geblieben. Das Bild von unterschiedlichen Hebeln, die man in Bewegung setzen kann. Man kann nicht nur auf einer privaten Ebene aktiv werden, sondern auch in der professionellen. Die eigene Verantwortung als Gläubige zu erkennen und in den Kirchen aktiv werden, Initiative ergreifen und diesen institutionellen Aspekt besser nutzen, um Grosses zu bewirken in dieser Klimakrise, das wünscht sich eine Person aus dem Publikum.
Die Voten zeigen, dass Menschen am heutigen Abend sich nicht nur mit Informationen berieseln lassen, sondern dabei sind, mitdenken und auch gewillt, Dinge zu verändern. Das macht Mut zur Gemeinschaft, Mut zur Zusammenarbeit und Mut, etwas zu verändern.

» Video Zwingli Talk mit Axel Schubert