Who Has Seen the Wind? - ein Pfingsterlebnis

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Bericht zum Pfingstevent mit Bryan Haab: Windmaschine und Predigt von der Gartenkanzel - Ausstellung geöffnet: Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag, jeweils 14 - 18 Uhr, Zwinglihaus
Leila Thöni
Sonntagmorgen, Pfingsten. Zunächst beginnt heute Morgen alles wie gewohnt. Die Gemeinde findet sich im grossen Saal des Zwinglihaus ein. Alles ist bereit für den Gottesdienst. Im grossen Saal des Zwinglihaus gehört es dazu, dass die Blicke dann und wann in den schönen Garten schweifen, der sich hinter den grossen Scheiben rechts befindet. Heute zieht in diesem Garten jedoch etwas die Blicke auf sich. In der Mitte des Gartens steht ein grosser Propeller und der Garten ist bestuhlt. Gespannt, was da wohl kommen mag, gleiten immer wieder Blicke nach draussen.

Der Gottesdienst beginnt mit dem ersten von drei Teilen – zunächst drinnen. Fast zu Beginn die Mitteilungen, ganz ungewohnt, wo die doch normalerweise zum Schluss verlesen werden. Mal sehen, wie es weitergeht. Eingebettet in Musik und Gebet hören wir die Geschichte des Pfingstwunders aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte. Immer wieder erstaunlich, wie der Heilige Geist in dieser Geschichte auftritt. Mit Wind und züngelnden Flammen erobert er die Herzen der Menschen, so dass diese einander verstehen, wie sie von den grossen Taten Gottes sprechen und zur Gemeinschaft werden, obwohl sie ihre Ursprünge an ganz unterschiedlichen Orten der Welt haben.

An dieses Berührt-werden vom Geist durch den Wind und den ganz unterschiedlichen Weisen, wie wir Gott oder den Heiligen Geist erfahren, knüpft der Künstler Bryan Haab mit seiner Wind- und Toninstallation an. Im Interview erzählt er uns, wie wichtig es für ihn ist, seinen Glauben und seine Kunst zu verbinden und das Unsichtbare erfahrbar zu machen. Der Wind des Propellers wird dort sichtbar, wo er etwas oder jemanden berührt. So ähnlich wie der Heilige Geist in der Apostelgeschichte. So gibt uns Bryan an dieser Stelle mit auf den Weg, den Wind und die Klänge, die auch aus der Installation hervorgehen, auf uns wirken zu lassen und uns zu fragen: Spricht der Heilige Geist auch zu mir und was höre ich? Wie werde ich berührt oder werde ich überhaupt berührt? Kann das Unsichtbare hier für mich erfahrbar gemacht werden?

Mit diesen Anregungen stimmen wir ein ins Pfingstlied und begeben uns alle zusammen in den Garten, für den zweiten Teil. Bryan Haab eröffnet die Ausstellung und erklärt, wie sich die Installation bedienen lässt. Es gibt zwei Hebel, einen für den Ton und den anderen für den Wind. Mit den Lautstärken und Intensitäten lässt es sich spielen. Wir sehen einen Propeller aus drei Flügeln. Diese Flügel sind aus Holzpaletten gezimmert, die die Welt bereist haben. Die Flügel des Propellers entfalten sich wie eine Blüte, die aufgeht, Es entsteht Wind, der wiederum eingebettet ist in eine Klangkulisse. Gedanken, Worte und Geräusche, manche wohltuend und andere schrill, umgeben die bewegte Luft. Faszinierte Blicke in der Gemeinde und dann und wann ein Flüstern in der Runde. Ich höre jemanden von «Ruach», vom Lebensodem des Alten Testaments, sprechen. Schön, denke ich, Beobachtungen, Empfindungen und Gedanken werden bereits wach.

Plötzlich steht Andreas Möri auf der Gartenkanzel. Nach Jahrzehnten wird diese heute zum ersten Mal wieder genutzt und reiht sich in die Linie der Überraschungen des heutigen Tages ein. Andreas gibt uns in einer kurzen Predigt Gedankenanstösse zu Pfingsten und zum Wirken des Heiligen Geistes mit auf den Weg. Die Sonne, die sich an diesem bewölkten Morgen genau dann zeigt, als es im Gebet heisst: «Komm, Heiliger Geist! », wirkt erhellend und wärmt das herzliche Beisammensein der Gemeinde.

Bryan Haab selbst merkt man an, dass für ihn nicht die Performance allein im Zentrum steht. Es ist das Erleben, die Erfahrung als Gemeinschaft. Das Kunstwerk ist für ihn durch die spirituelle Seite und durch die soziale Seite erst komplett.

Der Beteiligung von allen, dem gemeinsamen Erleben und dem Austausch darüber, ist der dritte Teil des Anlasses gewidmet. Die Maschine kann ausprobiert und die Eindrücke können auf einer Tonaufnahme festgehalten werden. So wird die Gemeinde zu einem Teil des Kunstprojektes.
Es ist schön zu beobachten, wie die Menschen die Gemeinschaft feiern. Viel Neues ist am heutigen Sonntag neu aber auch Bekanntes. Das Kirchenkaffe, das Beisammensein, das gemeinsame Erleben – all diese Dinge haben pandemiebedingt schon so lange nicht mehr stattgefunden und werden hier und heute neu belebt.

Für mich ist demnach der gemeinschaftliche Aspekt der Pfingstgeschichte zentral. Ich bin heute besonders dankbar für den Heiligen Geist, der in uns immer wieder das Feuer für Gemeinschaft entfacht und der nach einer schweren Zeit der Isolation und Einsamkeit dafür sorgt, dass wir uns für einen Moment fühlen dürfen, als wäre nichts gewesen.

Ausstellung geöffnet bis 12. Juni 2021: Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag, jeweils 14 - 18 Uhr, Zwinglihaus

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Pfingstprojekt 2021
28.05.2021
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