"Orgel und Flügel im Duo und Solo"

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Foto_S.Reymon_S.Boeke (Foto: Susanne Böke)
Konzert point d'orgue
Sonntag, 15. Mai 2022, 17h, Titus Kirche

Stéphane Reymond, Flügel und Susanne Böke, Orgel, spielen Werke von César Franck, Camille Saint-Saëns und Gabriel Fauré.

Ein Rendez-Vous dreier Komponistenfreunde im Paris des Fin de Siècle. Alle sind sie meisterhafte Pianisten wie Organisten und wissen die musikalischen Möglichkeiten von Orgel und Klavier auch in ihren Kompositionen voll auszuschöpfen. Besonders reizvoll in der Kombination beider Instrumente.


Franck, Fauré und Saint-Saëns waren miteinander befreundet. Zusammen gründeten sie 1871 die Société Nationale de Musique mit dem Ziel instrumentale und moderne Musik zu fördern. Jeder entwickelte seine eigene musikalische Sprache: Saint-Saëns einen modernen und brillanten Stil, Fauré einen innovativen Gebrauch der Modulationsart, Franck die Suche nach einer „Musique pure”.

1862 komponiert der belgische César Auguste Jean Guillaume Hubert Franck das Prélude, Fugue et Variations (op. 18 Nr. 3) für Orgel. Er ist Organist in der Kirche Sainte-Clotilde in Paris und hat die ganz neue Cavaillé-Col Orgel zu Verfügung. Wie damals üblich erscheint auch eine Fassung für Klavier (mit Fingersatz!) „Franck-Friedmann, pour piano avec doigtés“ sowie die heute gespielte Fassung für Klavier und Orgel (oder Harmonium oder 2. Klavier). Seine Schüler, „La Bande à Franck“, verehren ihn. Darius Milhaud jedoch äussert sich kritisch in „L’école du sérieux à tout prix“. Albert Lavignac hebt in La Musique et les Musiciens 1895 die Nähe zu Bach und Glück hervor und beschreibt die Klarheit und Reinheit von Franck’s Stil als typisch französisch.

1885 komponiert Gabriel Fauré die 3ème Barcarolle (op. 42). Das Werk dieses ehemaligen und hochgeschätzten Schülers von Saint-Saëns ist eine innerliche Musik, welche die vielfältigen Farben der Harmonie erkundet. Sein Sohn Philippe Fauré-Fremiet schreibt in seinem Buch, es sei einfacher zu wissen, wie man die Musik seines Vaters nicht spielen sollte – mit falschem Rubato und übertriebenem Ausdruck – als wie man sie richtig interpretieren sollte. Der Komponist selbst beklagt sich oft darüber, dass berufliche Musiker und Musikerinnen seine Werke weniger gut interpretieren als Laien, die mit dem Herz spielen.

Six duos pour harmonium et piano (op. 8) wurde 1858 komponiert. Camille Saint-Saëns ist Organist in der ebenfalls mit einer Cavaillé-Col Orgel ausgestatteten Kirche La Madeleine. Er hat bereits zwei Symphonien komponiert und arbeitet an seinem 1. Klavierkonzert (op. 17). Die Gemeinde zeigte eine Vorliebe für Operettenparaphrasen und lärmige Orgelwalzer, weswegen der vorherige Organist, Lefébure-Wély, v. a. Salonmusik, Marsche und Walzer komponierte. Saint-Saëns versucht die Ausrichtung seines Vorgängers zu ändern. Er spielt Bach’s Werke und improvisiert viel (Liszt bewunderte 1857 diese Improvisationen). Es geht nicht ohne Streitigkeiten, dennoch bleibt er fest in seiner Linie. Sein hoch virtuoser Stil mit romantischem Charakter hat nichts von der Operettenwelt. Six Duos wurde wahrscheinlich in La Madeleine uraufgeführt. Der Komponist verkaufte das Werk dem Verleger Girod und kaufte sich dafür ein Teleskop. Später wurde er Mitglied der Société Astronomique de France.

Das Harmonium wurde 1841 von Alexandre François Debain in Paris erfunden. Als neues Instrument fand es Anklang und erlaubte somit das Musizieren in kleineren Kirchen und Orten. Deshalb wurden viele Werke in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris für Harmonium, Orgel oder Klavier komponiert. Man spielte auf dem Instrument, das vorhanden war. In der Tituskirche hat man die Chance, sowohl eine Orgel als auch einen Flügel zu Verfügung zu haben, die aufeinander abgestimmt sind. So ist es heute möglich, Ihnen diese Orgel-Klavier Fassung zu präsentieren.

Stéphane Reymond