Titus: Literarisch-musikalische Pfingsten im Zeichen der Ukraine

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Unser Entsetzen über den Krieg in der Ukraine ist gross. Mit «Sie kam aus Mariupol» erreicht uns ein Buch, das uns aus der Sicht der heute 77jährigen Autorin Anteil nehmen lässt an der Geschichte ihrer Mutter, aber auch an ihrer eigenen.
Natascha Wodin, die Verfasserin, wurde 1945 als Kind von «Displaced Persons» in Bayern geboren. Die Eltern waren ukrainische Zwangsarbeiter, verschleppt aus Mariupol durch die deutschen Besatzer. Über die Millionen aus Osteuropa nach Deutschland transportierten Menschen erfuhr man auch im Nachkriegsdeutschland wenig bis nichts. Da sie oft keine Dokumente hatten und ihre Herkunftsländer weitgehend zerstört waren, wurden sie in Lagern zusammengepfercht, oft noch lange nach dem Krieg, Menschen ohne Perspektive – Displaced Persons.
Natascha Wodin bringt uns eine Lebensgeschichte des letzten Jahrhunderts nahe, nahe bis unter die Haut. Sie verwebt autobiographische und historische Fäden ihrer Kindheit und ihrer Herkunftsfamilien in die politische Geschichte Russlands, Griechenlands und Deutschlands. Mit Hilfe eines russischen Hobby-Ahnenforschers, der sich bestens mit russischen Internetsuchmaschinen auskennt, der Kirchenbücher ausfindig macht, Visaersuchen und Urkunden aufstöbert, erfährt sie nach und nach Details ihrer Familiengeschichte und findet sogar Verwandte in Sibirien.

Mariupol, die Stadt am Asowschen Meer war bereits im 1. Weltkrieg von deutschem Militär in Schutt und Asche gelegt worden. Es tun sich uns in diesem Buch, weder Biographie noch Roman, die finstersten Abgründe es 20. Jahrhunderts, der stalinistischen und der deutschen Verbrechen auf.

Natascha Wodin hat keinen Tatsachenbericht verfasst, sie hat Literatur geschrieben – mit einem Ausgleich zwischen Nähe und Distanz, der die adlige Herkunft der Mutter ebenso erfasst wie die prekären Nachkriegsverhältnisse der kleinen Natascha in Deutschland.
Sie wurde für dieses und weitere Bücher mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der Leipziger Buchmesse.

Es ist gelungen, zu diesem besonderen Gottesdienst Musikerinnen aus der Ukraine zu engagieren – so mag dieser besondere Gottesdienst auch eine Art Benefizkonzert sein. Es wird ein ukrainisches Frauenquartett für uns musizieren:

Oksana Potapova, Violine
Maria Marchenko, Violine
Oksana Liashchuk, Bratsche
Ljubov Holovata, Cello