Titus: Eindrücke vom OFFLine-Geburtstag

Bild wird geladen...
DAS KLOSTER AM RANDE DER STADT

Notizen zum 5. Geburtstag von OFFLine, dem Oekumenischen Zentrum für Meditation und Seelsorge (23. November 2022)
Mit Zeilen aus dem Gedicht von Silja Walter «Gebet des Klosters am Rande der Stadt», Grussworten von Angestellten und Zugewandten und einem Apéro riche eröffnete die Coleiterin von OFFLine Anne Lauer einen in jeder Hinsicht gehaltvollen Abend.
«Ihr seid, was wir brauchen: neugierig, gesprächsbereit, begeistert dafür, einen spirituellen Weg in Offenheit zu gehen» (aus einem der Grussworte).

Im Folgenden gebe ich gern einen Einblick in das Gespräch, das die Coleiterin von OFFLine, Monika Widmer mit ihren beiden Gästen führte: mit Dr. Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der ERK BS und mit Dr. Christian Rutishauser SJ, Delegat der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten. Das Gespräch mit den beiden Theologen entfaltete sich entlang den Stichworten Kirche heute und in Zukunft, Spiritualität und Oekumene. Ich skizziere im Folgenden, was mir persönlich Eindruck machte.

Wenn wir uns heute Gedanken um den Zustand unserer Kirchen machen, gilt es einiges zu bedenken. Beide Gesprächspartner waren sich darin einige, dass unsere Kirchen heute in einem Zustand der Depression sind. Gibt es, bzw. welches könnten Wege der Erneuerung christlichen Glaubens sein? Die reformierte Kirche in ihrer heutigen Gestalt ist weniger ein Produkt der Reformation als vielmehr der bürgerlichen Sozialformen des 19. Jahrhunderts im Gefolge der Industrialisierung, und auch der Orden der Jesuiten entstand in einer Zeit des Umbruchs im 16. Jahrhundert. Es ist einleuchtend, dass auch unsere Kirchen in den heutigen Zeiten des Umbruchs und fluider Lebensstile nicht in ihren bisherigen Formen verharren können. Aber wo gibt es Modelle für eine Kirche, einen Glauben der Zukunft? «Lassen wir uns nicht erschrecken», sagt Christian Rutishauser. Da die 150 Jahre alten Lebensformen nicht mehr halten, braucht es nun neue beides: online sein und offline, jedes zu seiner Zeit. Es gibt keine Kongruenz mehr zwischen Institution und Leben im Alltag. Aber es gab schon immer beides – die institutionelle Kirche und daneben die Klöster und die Orden.
Auseinandersetzung mit Genderfragen, Leben in einer Minderheitsgesellschaft und manch anderes sind Herausforderungen unseres Alltags. Denen müssen sich Christen jetzt und in Zukunft stellen. Und dazu gehört ganz wesentlich, wach zu sein, genau hinzuschauen, was passiert, denn es werden Kriege, Hungersnöte und andere Verwerfungen sein, die unsere Zukunft bestimmen. Zu dieser Wachheit gehört auch, sich des eigenen religiösen Verständnisses bewusst zu sein: was bedeutet es, dass ich getauft bin, dass ich Versöhnung am Tisch des Herrn (er)leben kann? Sehr klar wurde auf die Bedeutung des Ritus hingewiesen: in die Tiefe gehen, Beständigkeit in der Wiederholung finden.
Und hier noch zwei kleine Hinweise, die zum Schmunzeln Anlass boten: in den nordischen Ländern ist es trendy, katholisch zu werden. Und im Heiligen Land kann man jegliche Kirchenspaltung der Geschichte in ihrer ganzen Deutlichkeit erfahren.

Auch die Frage der Finanzen kam zu «ihrem Recht». «Es ist ein Glück, dass in der Schweiz die Kirche keine politische Macht mehr ist», das hat, mindestens in Basel, wo es immer weniger Kirchensteuer zahlende Mitglieder gibt, auch ein Ende so mancher Grabenkämpfe, die sich im Gefolge von Neid und Missgunst ausgebreitet hatten, zur Folge.

Hier noch eine der Fragen, die man im Anschluss stellen konnte und die dazugehörige Antwort:
«Welches ist die Aufgabe der Theologie in der Kirche der Zukunft?» Theologie heute ist schwach, es geht um eine Suche nach Stabilität im Instabilen. Wie kommt die Theologie aus der Sackgasse heraus? – Durch Sprache, biblische Texte sind aus religiöser Erfahrung entstanden. Die Sprache der Dichter verknüpft Erfahrung mit Sprache.

So schliesst sich der Kreis:
DAS KLOSTER AM RANDE DER STADT:
Es lud zum Abschluss des Abends zum oekumenischen Nachtgebet ein.

Herzlichen und vielen DANK allen Mitwirkenden!
Waldtraut Mehrhof, 24. November 2022

Die Aufzeichnung des Gesprächs mit Chr. Rutishauser und L. Kundert ist online und unter diesem Link abrufbar:
» youtu.be/w24_1--DxsM

OFFLine Geburtstag
24.11.2022
11 Bilder