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Kirchenratspräsident

Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ist seit dem 1. September 2004 Prof. Dr. theol. Lukas Kundert. Das Kirchenratspräsidium ist in Basel aus dem Amt des Antistes entstanden und verbindet sowohl die dekanalen wie die weltlichen Leitungsaufgaben der Kirche.

Was bedeutet es in Basel, Kirche zu sein? Nachfolgende Skizze eröffnet Einblicke in die besondere Basler Situation:
Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>erk-bs.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>330</div><div class='bid' style='display:none;'>433</div><div class='usr' style='display:none;'>396</div>

Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert

Kirchenleitung unter schwierigen Bedingungen
Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt ist eine "volkskirchlich geprägte Mitgliederkirche", sie ist eine selbstbewusste Kirche in schwierigstem Umfeld, eine Kirche, die blüht.
Bewährung
Die Basler Kirche bewährt sich unter Bedingungen, die unvergleichlich sind im deutschsprachigen Raum. Der Kanton Basel-Stadt ist ein Innerstadtkanton ohne Agglomeration. Der „Speckgürtel“ im Grünen, den andere Städte wie Zürich oder Hamburg längst eingemeindet haben, liegt entweder in einem anderen Kanton oder im angrenzenden Ausland. Das hatte mit der Stadtflucht der vergangenen 40 Jahre in Basel einen überproportionalen Bevölkerungsschwund zur Folge. Gutverdienende (meist Protestanten) zogen aufs Land. Die Immigration aus aller Welt (darunter nur wenige Protestanten) konnte den Bevölkerungsverlust nicht ausgleichen.
Keine Austrittskirche
Oft wird der Basler Kirche vorgehalten, sie sei eine Austrittskirche. Kürzlich zugänglich gemachte Zahlen des Statistischen Amtes belegen etwas Anderes: Die Abnahme um 100'000 Mitglieder innert 50 Jahren (das sind 73 Prozent der ursprünglich 137'000 Mitglieder) ist zu 80 Prozent (!) auf die demographische Entwicklung in Basel-Stadt zurückzuführen. Die Basler Kirche ist keine Austrittskirche. Sogar wenn kein einziger Austritt in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen gewesen wäre, so hätte die Kirche trotzdem um 80'000 Mitglieder abgenommen.
Florierendes kirchliches Leben
Die Kirche hat gelernt, mit den Konsequenzen produktiv umzugehen. Die Reorganisationen seit den Achtzigerjahren haben die Kirche nicht geschwächt. Entgegen dem Ruf blüht das kirchliche Leben: Einzelne Kirchen müssen vergrössert werden um die Zahl der Gottesdienstbesucher zu fassen. Auch Kirchgemeinden, die nicht evangelikal ausgerichtet sind, verzeichnen wachsende Gottesdienstgemeinden, z.B. die liberale Paulusgemeinde. In ihr hat sich die Zahl der Gottesdienstbesucher verfünffacht auf über 100 Personen/Sonntag. Von so etwas wagt man andernorts kaum zu träumen.

Die Symbolkraft der reformierten Kirche ist trotz der bald hundertjährigen Trennung vom Staat ungebrochen. Trotz Diasporasituation tritt die reformierte Kirche in Basel selbstbewusst und innovativ auf: Das erste Industriepfarramt der Schweiz, die erste Offene Kirche im deutschsprachigen Raum, das erste kirchliche Migrationskonzept: Die Basler Kirche ist eine traditionsreiche Kirche, die schnell auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert.
Aufbruchstimmung
Unter dem Titel „Perspektiven 15“ hat der Kirchenrat den Weg der Kirchenentwicklung bis ins Jahr 2015 beschrieben und einen Paradigmenwechsel im Kirchen- und Gemeindeaufbau eingeleitet. Geld wird nicht mehr nach Seelenzahl der Gemeinden verteilt, sondern nach anfallender Arbeit und definierten Schwerpunktfeldern. Im Zentrum aller kirchlichen Aktivitäten steht seiner Ansicht nach der Gemeindegottesdienst. Alle Kräfte werden darauf konzentriert, die Gemeindegottesdienste zu stärken. Damit wird die Kirche im Zentrum ihres Lebens, dem Gemeindegottesdienst, wachsen. Die Vorwärtsstrategie wird durch inhaltlich pointiertes Auftreten gestützt. 2008 haben wir mit der Bibelkampagne „Best Bible Stories“ volkskirchlich evangelisiert. Die antistitiale Leitungsstruktur der Basler Kirche, die wie eine Gesamtgemeinde funktioniert, stellt dem Kirchenrat die Instrumente bereit, die Kirche auf diesem Weg relativ straff zu führen.
Mitgliederkirche mit volkskirchlicher Prägung
Die Diasporasituation in Basel hat dazu geführt, dass die Mitglieder der reformierten Kirche ein eigenständiges Bewusstsein entwickelt haben, als Protestanten in Basel zu leben, und zwar sowohl im stark durch Migration geprägten Kleinbasel wie im bürgerlichen Riehen. Zudem ist die Kirchensteuerlast, die von der Kirche per separate Post eingezogen werden muss, zu drückend, als dass sie unter „Verschiedenem“ noch durchgehen würde. Wer zur Kirche gehört, gehört ihr bewusst an. Das Mass an Verbindlichkeit unter den Kirchenmitgliedern steigt, obgleich das typische volkskirchliche Merkmal geblieben ist: Lediglich 30 Prozent der Mitglieder suchen in der Kirche Gemeinschaft oder nehmen Angebote der Kirche wahr. Unverändert gehören 70 Prozent der Mitglieder der Kirche aus anderen Gründen an, nicht aber weil sie Gemeinschaft suchen würden. Gemeinschaftsdruck ist in den wenigsten Gemeinden vorhanden, und es ist keine Entwicklung zum Rückzug der Gemeinden auf sich selbst zu verzeichnen. Es scheint paradox, doch es wird gerade die Diasporasituation helfen, diesen Charakter der Volkskirchlichkeit zu erhalten, auch wenn man eine Mitgliederkirche geworden ist, vergleichbar zur Eglise Française, bei der seit Alters her genau dieses Phänomen zu beobachten ist.

Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert
Autor
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Besuche: 70 Monat - aktualisiert: 02.11.2011