Reformierte Kirchgemeinde Gundeldingen-Bruderholz

Titus: Ausstellung Reliefs und Zeichnungen von Walter Gürtler

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Bild 4 Postkarte

Walter Gürtler, Bildhauer
25.07.1931-30.08.2012
Von Entwürfen und Modellen zum realisierten Backsteinrelief
Kreuzkelch in der Titus Kirche Basel

Ausstellung mit Apéro
Samstag, 14. November 2015, 15.30-17.00 Uhr
Titus Kirche Basel (Lavater-Zimmer), Im Tiefen Boden 75, 4059 Basel
Zur Ausstellung
Während der Bauphase der Titus Kirche Basel (1963-1964) fragte Architekt Benedikt Huber den damals 32-jährigen, aus Allschwil stammenden Bildhauer Walter Gürtler für die Gestaltung des Innenraums der Titus Kirche an. Für Walter Gürtler war das Projekt „Kunst am Bau“ eine Herausforderung und Chance zugleich. Er nahm den Auftrag auch darum gerne an, weil er auf diese Weise mit seinem zehn Jahre älteren Bildhauerfreund Peter Moilliet aus Allschwil zusammenarbeiten konnte. Peter Moilliet baute damals bereits die Verschalung des Betonreliefs „Lebensweg Jesu“ an der südlichen Aussenwand der Titus Kirche.
Während Wochen und Monaten kreisten Walter Gürtlers Gedanken um mögliche Themen und Ausführungstechniken. Einerseits skizzierte er auf 65 kleinen bis A4-grossen Blättern mit Bleistift, Farbstiften und Kugelschreiber mögliche Motive, die er später auf 21 Büttenpapiere mit den Massen von rund 23 auf 52 Zentimetern mit Kohle und Kreide übertrug. Andererseits erprobte er im Atelier die Beschaffenheit und Konstruktionsmöglichkeit des Arbeitsmaterials Backstein, baute verschiedene Mauern mit unterschiedlichen Strukturen und Backsteinen von 6, 5 und 4 Zentimetern Tiefe, um die Themen besser hervorheben und darstellen zu können.
Dem Zeitgeist entsprechend, entwarf er zunächst abstrakte Quadrate, dann abstrahierte Symbole wie Sonne für Gott, segnender Mensch für Jesus und Taube für Heiliger Geist und suchte sogar nach alten Symbolen aus den Kulturen Mittelamerikas. Er versuchte auch, das Gesicht Jesu abstrahiert darzustellen, und kombinierte dieses mit dem Kreuz über der Kanzel. Weiter entstanden sieben Gipsmodelle, eines mit abstrahierten Symbolen und fünf mit eher naturalistischen Themen wie Arche mit Noah, Schaf und Regenbogen oder das Paar neben dem Rebstock und dem Lamm unter dem Himmelsgewölbe und dem immer wieder vorkommenden Kreuz. Das siebte Gipsmodell zeigt einen Denkwandel, welcher aus einer Vision resultierte: Walter Gürtler sah neben dem Kreuz über der Kanzel eine grosse, abstrakte Menschengestalt am Kreuz, die sich nach und nach wandelte und später, in einen Becher geformt, zum Kreuzkelch wurde.
Dazu erzählte er mir später: „Gedanklich hing ich sehr lange am Kreuz über der Kanzel, bis ich erkannte, dass das Kreuz in der Kirche eher ein katholisches und nicht unbedingt ein evangelisch-reformiertes Symbol ist. Deshalb trennte ich mich von der Kreuzvorstellung und schuf im ökumenischen Sinn den Kreuzkelch mit breitem Balken in Anlehnung an das Kreuz. Als ich beim Aufbau des Kreuzkelchs Backstein um Backstein aufsetzte, wusste ich noch immer nicht, wie ich die zweite Wand gestalten sollte. Vielleicht doch noch mit einem Kreuz? – Aber der Herr gibt’s den Seinen im Schlaf!
Plötzlich sah ich im Traum die Kornähre! Glaub mir, von der Kornähre habe ich nur zwei flüchtige Skizzen zu Papier gebracht. Ich hatte sie mir aber in Gedanken so eingeprägt, dass ich sie unter Zeitdruck einfach drauflos baute! Ihre Fruchtbarkeit ragt ja heute noch durch das Dach gen Himmel!“ Walter lachte, weil sich nämlich die grössten, dicksten Körner der Ähre ganz oben befinden!
In der Ausstellung sind zur Entwicklung der Themenfindung sieben, von Walter Gürtler unsignierte Gipsmodelle nebst rund 20 Entwürfen in Kohle und Kreide auf Büttenpapier zu sehen. Die Reihenfolge der Entwürfe und Gipsmodelle ist eine Annahme von Walter Gürtlers Arbeitsprozess.

Jeanne Schneeberger-Affolter
3432 Lützelflüh-Goldbach und Burgdorf, 21.08.2015
Autor
Monika Widmer

aktualisiert mit kirchenweb.ch
Bereitgestellt: 23.10.2015