Zur Baugeschichte 1931 - 2011

Am 11. Oktober 1931 wurde für das Zwinglihaus der Grundstein gelegt. Der Bau von Willi Kehlstadt wurde ein Jahr später eingeweiht. Er stellte eine eher ungewöhnliche Kirche dar. Erkennungsmerkmale wie Glocken und Turm fehlten. Dafür war das Hauptportal mit einer Eintrittskasse versehen. Zwischen Kanzel und Orgel konnte auf einer Bühne Theater gespielt werden. Und im zweiten Obergeschoss des Gebäudes war eine Kabine für einen Kino-Operateur eingerichtet.
In einer Synthese der verschiedenen Anliegen war entschieden worden, ein multifunktionales Gebäude zu erstellen, das Kirche und Gemeindelokal in einem war. Es wurde nach der modernsten Architektur seiner Zeit im Stil von „Bauhaus“ und „Neuem Bauen“ in Abgrenzung von Historismus und Jugendstil konzipiert und passte gut in den Stadtteil Gundeldingen mit seiner schachbrettartigen städtebaulichen Anlage. Für die Gemeinde mit ihrem Pfarrer jedoch stellte die Modernität des Kirchenbaus von Willi Kehlstadt eine Herausforderung dar.
Eine rund 25jährige Vorgeschichte war vorausgegangen, während der die Fragen nach Standort und Zweckbestimmung des Baus mehrfach neu aufgeworfen wurden. Ein klassizistisches Bauprojekt von Hans Bernoulli, das 1917 in einem Wettbewerb aus achtzig Eingaben den ersten Preis erhalten hatte, wurde nicht ausgeführt.
Die strenge Sachlichkeit des Kirchenraums wurde mit der Zeit als zu starr empfunden, weshalb die südliche Längsseite Richtung Garten mit verglasten Fenstertüren aufgebrochen wurde. Für die nördliche Längsseite schuf der Basler Künstler Hanns Studer fünf grossflächige Glasmalereien mit biblischen Motiven, die 1985 eingesetzt wurden.
Diese Massnahmen wurden jeweils erst nach sorgfältigen Abklärungen verwirklicht. Zwar wurde damit die ursprüngliche Symmetrie zerstört, andererseits wurde so der Saal den Bedürfnissen der Gemeinde angepasst und liturgisch aufgewertet.
Eine Gemeindekommission konzipierte mobile liturgische Möbel, die eine flexible Nutzung des Kirchenraums ermöglichen.
Von Andi Hindemann wurde für den Garten des Zwinglihauses ein Brunnen erbaut, der vom Wasser einer unterirdisch gefassten Quelle gespiesen wird und 2004 in Betrieb genommen wurde. Mit einer Taufliturgie wird der Brunnen in das gottesdienstliche Feiern der Gemeinde einbezogen.
2011 wurde die Zwinglihaus-Orgel von der Firma Orgelbau Goll mit Unterstützung der Denkmalpflege schonungsvoll renoviert. Das Instrument kommt damit klanglich neu zur Geltung und wird als Denkmal der 30er Jahre und Beispiel der Neuen Orgelbewegung bewahrt.
Die Baugeschichte des Zwinglihauses wurde ideell und finanziell in hohem Mass von der Gemeinde mitgetragen, angefangen 1907 mit der Gründung einer Kirchenbaugesellschaft. Die Kirchgemeinde finanzierte mehr als die Hälfte der Kosten für Bau und Innenausstattung des Zwinglihauses. Später wurden die finanziellen Mittel für Glasmalereien und Brunnen ebenfalls von der Kirchgemeinde beschafft.

Die von Willi Kehlstadt erbaute und schrittweise den Bedürfnissen der Gemeinde angepasste Architektur des Zwinglihauses ist in seiner Modernität und Funktionalität auch heute ein geeigneter und stilvoller Rahmen für unterschiedlichste Anlässe und die Weiterentwicklung des Gemeindelebens.

Pfarrer Andreas Möri
BauHaus Zwinglihaus
15.04.2012
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