«Gerechtigkeit schmeckt» – Anlass zur ökumenischen Kampagne in Basel
Gemeinsam ein Gourmet-Menü von Spitzenköchin Tanja Grandits in einer einzigartigen Atmosphäre geniessen und dabei erfahren, wie wir uns fair und nachhaltig ernähren können: Dies ist das Erfolgsrezept von «Gerechtigkeit schmeckt». Eine Reportage zum regionalen Anlass der diesjährigen ökumenischen Kampagne «Sehen und Handeln» in Basel.
Es herrscht frühlingshaftes Wetter an diesem ersten April in Basel. Über dem Eingangsportal der Offenen Kirche Elisabethen hängt ein Transparent mit der Aufschrift «Diese Kirche ist auch ein Festzelt». Die Citykirche feiert Ende Monat ihr 20-Jahr-Jubiläum. Am heutigen Tag des Scherzes aber heisst es zum dritten Mal «'Gerechtigkeit schmeckt' – Tanja Grandits deckt das Tischlein».
Der regionale Anlass in Basel zur ökumenischen Kampagne der Entwicklungsdienste Brot für alle, Fastenopfer und Partner Sein während der Fastenzeit verbindet die Anleitung zum gerechten Handeln mit einem kulinarisch-kulturellen Ereignis an einem einzigartigen Ort – die Offene Kirche. Purer Genuss beschert dabei ein vegetarisches Gourmet-Menü in drei Gängen, zubereitet von der Spitzenköchin Tanja Grandits vom Restaurant «Stucki» in Basel und ihrem Team. Dabei sollen die Zutaten möglichst regional und saisonal sein, Gewürze aus dem Welt-Süden reichern sie an.
Für den Geist und die Sinne
Ein angenehm kühles Lüftchen weht durch die Kirche, die sich in ein schlichtes, stilvolles Ambiente in Schwarz und Weiss verwandelt hat. In der Raummitte stehen zehn festlich gedeckte Rundtische für insgesamt 100 angemeldete Gäste. Dem Seitenschiff entlang entkorkt Grandits' Chef de Service Weinflaschen, während die Küchencrew blätterförmige Teller für die Vorspeise bereitstellt. Und mitten drin ist auch die Chefköchin an der Arbeit, die auf Anhieb sympathisch wirkt.
«Gerechtigkeit schmeckt» will Kopfiges und Bauchiges zusammenführen. Kann sinnlicher Genuss dazu verführen, dass wir uns der Umwelt und der nächsten Generation zuliebe bewusster ernähren und kleiden, so wie es die Anleitung zum Handeln der diesjährigen ökumenischen Kampagne empfiehlt? Der Ansatz kommt jedenfalls gut an: Auch heuer war «Gerechtigkeit schmeckt» im Nu ausverkauft. Und auch im freiwilligen männlichen Servicepersonal des Abends ist man sich einig: «Gerechtigkeit schmeckt» ist eine stimmige Sache.
«Das Konzept von 'charity' und Kirche hat mich sofort überzeugt», meint etwa Frank Lorenz, der als Kellner eine gute Figur macht. Als «reichhaltige, säkulare Variante des Abendmahls» bezeichnet der designierte Koleiter der Offenen Kirche «Gerechtigkeit schmeckt». «Es braucht beides, das Schmackhafte und das Tiefsinnige», sagt sein Compagnon de Service, Tom Myhre. Zum Beten gehöre eben auch das Feiern, so der Gemeindepfarrer aus Binningen-Bottmingen. Christoph Bossart schliesslich, bis vor kurzem Geschäftsleiter von Caritas beider Basel, gefällt es, dass Grandits mit anpackt. «Jetzt, wo ich bald pensioniert bin, habe ich ja Zeit», meint er lachend und zupft seine schwarze Schürze zurecht.
Vor dem Genuss das Gebet
Die Tische sind besetzt, ein dezenter Stimmenteppich erfüllt den Raum. Das jugendliche Streicherensemble und seine temperamentvolle Dirigentin Dorothee Marini haben die Stimmprobe beendet. Monika Hungerbühler, zurzeit alleinige Leiterin der Offenen Kirche, und Daniel Frei vom Pfarramt für weltweite Kirche beider Basel begrüssen gemeinsam die Gäste. Danach spricht Sarah Biotti von der Fachstelle kirchlicher Dienste beider Basel das Tischgebet. Es beginnt mit dem schönen Satz: «Bevor ich esse, will ich Mensch sein und innehalten.»
Und dann – endlich – bringt das Serviceteam die Vorspeise in einer einstudierten Choreografie an jeden der zehn Tische: ein Traum in nuancenreichem Grün mit Bärlauch, Ziegenkäse-Küchlein, Pistazien-Couscous und Limetten-Öl. Prompt stellt sich die Achtsamkeit ein und man schaut, kostet und isst, langsamer als sonst. Man tauscht sich mit dem Tischnachbar aus über die Sinneserfahrung beim Essen. Es fallen Wörter wie «knackig», «spielerisch», «fein» und «präzis». Allmählich erweitert sich der Themenkreis der angeregten Tischgespräche: Kartoffelgratin mit oder ohne Speckwürfeli, echte Basler Goldschmiedekunst, Palliative Care, die Pädagogik der Rudolf-Steiner-Schule, die schlechte Akustik am Anlass, Diakoniekonzepte oder das kreativste aller Hochzeitstagsgeschenke.
Die Verbindung zur Erde
Zwischen den Menügängen gibt es abwechslungsreiche Live-Klänge, vorgetragen von den jungen Musikerinnen und Musikern sowie Susanne Kern an der Orgel. Dazu gibt es häppchenweise Nahrung für den Geist zum Motto der Kampagne, «Die Saat von heute ist das Brot von morgen.» «Alles, was wir essen, kommt von der Erde», beginnt Jules Rampini sein Lektion pro Nachhaltigkeit. Dabei zeigt der Theologe und Biobauer aus dem Kanton Luzern, der für Fastenopfer in Peru war, auf eine Erdkugel aus Plastik. Wir seien «verpflichtet» zu fragen, was wir essen und wie viel wir einkaufen, so Rampini. Allein in der Schweiz seien im Jahr 2012 zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Abfall gelandet, weiss er: «Es braucht ein Umdenken, wir müssen die Verbindung zum Boden wieder erkennen.»
In Gerechtigkeit investieren
Auch zwei jungen Menschen wird am Abend das Wort erteilt. Darius Ramstein, Theologiestudent an der Uni Basel, fragt eingangs: «Warum soll ich in Gerechtigkeit investieren?». Und kommt bald zum Schluss: «Gerechtigkeit schmeckt immer.» Konkreter wird es, als Romana Giossi aus Pratteln von einer Begegnungsreise nach Rumänien mit den Pfarrern Daniel Baumgartner und Daniel Frei erzählt. Sie zeigt Fotos von Kindern und Familien, denen die Armut ins Gesicht geschrieben steht. Gerechtigkeit kann heissen, schiere Not zu lindern.
Erreichen solche Botschaften den Teenager am Nebentisch, auch er ein Gast des Abends in der Offene Kirche Elisabethen? Was hält er von «Gerechtigkeit schmeckt?» Das Essen sei gut gewesen, «aber zu stark gewürzt», antwortet er selbstbewusst. Er esse ohnehin kaum Fleisch und wenn möglich biologische Produkte aus der Region, besitze nur wenige Kleidungsstücke und schalte den Laptop nur an, wenn er ihn auch benutze. Was die Kampagne empfehle, sei bei ihm längst Praxis. Wieviele junge Menschen denken und handeln so wie er?
Fünf Goldene Regeln
Die letzten Gäste begeben sich auf den Heimweg – lauter zufriedene Gesichter. Tanja Grandits und ihr Team haben sich verabschiedet, die Rundtische werden zusammengeklappt und die Stühle für den Abtransport gestapelt.
Ob Gäste oder Mitwirkende: Was bleibt von «Gerechtigkeit schmeckt», ist uns selbst überlassen. Die Einen werden sich an das Grün, Orange und Braun der drei Menügänge erinnern, die Anderen an Tanja Grandits, eine geerdete Meisterköchin ohne Starallüren. Was die ökumenische Kampagne beabsichtigt, hätte am Abend ruhig etwas mehr in den Vordergrund gerückt werden können. Aber es gibt ja bereits haufenweise Material, auf der Webseite» http://www.sehen-und-handeln.ch und im ökumenischen Fastenkalender 2014, mit machbaren Anleitungen zum fairen und nachhaltigen Konsum. Der Schöpfung und unseren Kindern zuliebe.
Anna Wegelin, Journalistin in Basel. Copyright: Daniel Frei, Pfarramt für weltweite Kirche BL/BS. Basel, 6. April 2014.
Der regionale Anlass in Basel zur ökumenischen Kampagne der Entwicklungsdienste Brot für alle, Fastenopfer und Partner Sein während der Fastenzeit verbindet die Anleitung zum gerechten Handeln mit einem kulinarisch-kulturellen Ereignis an einem einzigartigen Ort – die Offene Kirche. Purer Genuss beschert dabei ein vegetarisches Gourmet-Menü in drei Gängen, zubereitet von der Spitzenköchin Tanja Grandits vom Restaurant «Stucki» in Basel und ihrem Team. Dabei sollen die Zutaten möglichst regional und saisonal sein, Gewürze aus dem Welt-Süden reichern sie an.
Für den Geist und die Sinne
Ein angenehm kühles Lüftchen weht durch die Kirche, die sich in ein schlichtes, stilvolles Ambiente in Schwarz und Weiss verwandelt hat. In der Raummitte stehen zehn festlich gedeckte Rundtische für insgesamt 100 angemeldete Gäste. Dem Seitenschiff entlang entkorkt Grandits' Chef de Service Weinflaschen, während die Küchencrew blätterförmige Teller für die Vorspeise bereitstellt. Und mitten drin ist auch die Chefköchin an der Arbeit, die auf Anhieb sympathisch wirkt.
«Gerechtigkeit schmeckt» will Kopfiges und Bauchiges zusammenführen. Kann sinnlicher Genuss dazu verführen, dass wir uns der Umwelt und der nächsten Generation zuliebe bewusster ernähren und kleiden, so wie es die Anleitung zum Handeln der diesjährigen ökumenischen Kampagne empfiehlt? Der Ansatz kommt jedenfalls gut an: Auch heuer war «Gerechtigkeit schmeckt» im Nu ausverkauft. Und auch im freiwilligen männlichen Servicepersonal des Abends ist man sich einig: «Gerechtigkeit schmeckt» ist eine stimmige Sache.
«Das Konzept von 'charity' und Kirche hat mich sofort überzeugt», meint etwa Frank Lorenz, der als Kellner eine gute Figur macht. Als «reichhaltige, säkulare Variante des Abendmahls» bezeichnet der designierte Koleiter der Offenen Kirche «Gerechtigkeit schmeckt». «Es braucht beides, das Schmackhafte und das Tiefsinnige», sagt sein Compagnon de Service, Tom Myhre. Zum Beten gehöre eben auch das Feiern, so der Gemeindepfarrer aus Binningen-Bottmingen. Christoph Bossart schliesslich, bis vor kurzem Geschäftsleiter von Caritas beider Basel, gefällt es, dass Grandits mit anpackt. «Jetzt, wo ich bald pensioniert bin, habe ich ja Zeit», meint er lachend und zupft seine schwarze Schürze zurecht.
Vor dem Genuss das Gebet
Die Tische sind besetzt, ein dezenter Stimmenteppich erfüllt den Raum. Das jugendliche Streicherensemble und seine temperamentvolle Dirigentin Dorothee Marini haben die Stimmprobe beendet. Monika Hungerbühler, zurzeit alleinige Leiterin der Offenen Kirche, und Daniel Frei vom Pfarramt für weltweite Kirche beider Basel begrüssen gemeinsam die Gäste. Danach spricht Sarah Biotti von der Fachstelle kirchlicher Dienste beider Basel das Tischgebet. Es beginnt mit dem schönen Satz: «Bevor ich esse, will ich Mensch sein und innehalten.»
Und dann – endlich – bringt das Serviceteam die Vorspeise in einer einstudierten Choreografie an jeden der zehn Tische: ein Traum in nuancenreichem Grün mit Bärlauch, Ziegenkäse-Küchlein, Pistazien-Couscous und Limetten-Öl. Prompt stellt sich die Achtsamkeit ein und man schaut, kostet und isst, langsamer als sonst. Man tauscht sich mit dem Tischnachbar aus über die Sinneserfahrung beim Essen. Es fallen Wörter wie «knackig», «spielerisch», «fein» und «präzis». Allmählich erweitert sich der Themenkreis der angeregten Tischgespräche: Kartoffelgratin mit oder ohne Speckwürfeli, echte Basler Goldschmiedekunst, Palliative Care, die Pädagogik der Rudolf-Steiner-Schule, die schlechte Akustik am Anlass, Diakoniekonzepte oder das kreativste aller Hochzeitstagsgeschenke.
Die Verbindung zur Erde
Zwischen den Menügängen gibt es abwechslungsreiche Live-Klänge, vorgetragen von den jungen Musikerinnen und Musikern sowie Susanne Kern an der Orgel. Dazu gibt es häppchenweise Nahrung für den Geist zum Motto der Kampagne, «Die Saat von heute ist das Brot von morgen.» «Alles, was wir essen, kommt von der Erde», beginnt Jules Rampini sein Lektion pro Nachhaltigkeit. Dabei zeigt der Theologe und Biobauer aus dem Kanton Luzern, der für Fastenopfer in Peru war, auf eine Erdkugel aus Plastik. Wir seien «verpflichtet» zu fragen, was wir essen und wie viel wir einkaufen, so Rampini. Allein in der Schweiz seien im Jahr 2012 zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Abfall gelandet, weiss er: «Es braucht ein Umdenken, wir müssen die Verbindung zum Boden wieder erkennen.»
In Gerechtigkeit investieren
Auch zwei jungen Menschen wird am Abend das Wort erteilt. Darius Ramstein, Theologiestudent an der Uni Basel, fragt eingangs: «Warum soll ich in Gerechtigkeit investieren?». Und kommt bald zum Schluss: «Gerechtigkeit schmeckt immer.» Konkreter wird es, als Romana Giossi aus Pratteln von einer Begegnungsreise nach Rumänien mit den Pfarrern Daniel Baumgartner und Daniel Frei erzählt. Sie zeigt Fotos von Kindern und Familien, denen die Armut ins Gesicht geschrieben steht. Gerechtigkeit kann heissen, schiere Not zu lindern.
Erreichen solche Botschaften den Teenager am Nebentisch, auch er ein Gast des Abends in der Offene Kirche Elisabethen? Was hält er von «Gerechtigkeit schmeckt?» Das Essen sei gut gewesen, «aber zu stark gewürzt», antwortet er selbstbewusst. Er esse ohnehin kaum Fleisch und wenn möglich biologische Produkte aus der Region, besitze nur wenige Kleidungsstücke und schalte den Laptop nur an, wenn er ihn auch benutze. Was die Kampagne empfehle, sei bei ihm längst Praxis. Wieviele junge Menschen denken und handeln so wie er?
Fünf Goldene Regeln
Die letzten Gäste begeben sich auf den Heimweg – lauter zufriedene Gesichter. Tanja Grandits und ihr Team haben sich verabschiedet, die Rundtische werden zusammengeklappt und die Stühle für den Abtransport gestapelt.
Ob Gäste oder Mitwirkende: Was bleibt von «Gerechtigkeit schmeckt», ist uns selbst überlassen. Die Einen werden sich an das Grün, Orange und Braun der drei Menügänge erinnern, die Anderen an Tanja Grandits, eine geerdete Meisterköchin ohne Starallüren. Was die ökumenische Kampagne beabsichtigt, hätte am Abend ruhig etwas mehr in den Vordergrund gerückt werden können. Aber es gibt ja bereits haufenweise Material, auf der Webseite» http://www.sehen-und-handeln.ch und im ökumenischen Fastenkalender 2014, mit machbaren Anleitungen zum fairen und nachhaltigen Konsum. Der Schöpfung und unseren Kindern zuliebe.
Anna Wegelin, Journalistin in Basel. Copyright: Daniel Frei, Pfarramt für weltweite Kirche BL/BS. Basel, 6. April 2014.
