Frauenstimm- und Wahlrecht in der reformierten Basler Kirche seit 1920

Am Freitag, 24. Juni 2016 feiert das offizielle Basel «50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton». In der
Evangelisch-reformierten Kirche desselben Kantons stimmen und wählen die Frauen bereits seit 1920.
Medienmitteilung Nr. 12 / 23. Juni 2016

Am Freitag, 24. Juni 2016 feiert das offizielle Basel «50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton». Tatsächlich sagten die stimmberechtigten Stadtbasler Männer am 26. Juni 1966 als erste in der deutschen Schweiz «Ja» zum Stimm- und Wahlrecht für Frauen. Die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hat ihren weiblichen Mitgliedern das Stimm- und Wahlrecht in kirchlichen Angelegenheiten aber bereits im Jahr 1920 zugestanden.

Bereits in der Vorlage einer Kirchenverfassung vom September 1910 für die 1911 vom Staat teilweise getrennte Evangelisch-reformierte Kirche wurde die Frage des Frauenstimmrechts angesprochen. §5 sah die Möglichkeit vor, dass die Synode zu einem späteren Zeitpunkt weiblichen Mitgliedern das aktive Stimmrecht gewähren könne. Damit hätte das Frauenstimmrecht ohne Verfassungsänderung eingeführt werden können.

Bereits am 3. Dezember 1913 reichte die Kirchgemeinde St. Theodor einen entsprechenden Anzug ein, welchen die Synode am 10. Mai 1916 an den Kirchenrat überwies. Am 9. Mai 1917 folgte das Kirchenparlament dessen Antrag und weitete am 14. November 1917 das aktive Stimmrecht formell auf weibliche Mitglieder aus. Am 29. September 1920 folgte der Antrag auf Einführung auch des passiven Wahlrechts, also auf die Wahlfähigkeit von Frauen in kirchliche Ämter.

Da dies die Synode nicht mehr allein entscheiden konnte, wurde eine entsprechende Verfassungsänderung vor das Kirchenvolk gebracht. Die kirchliche Volksabstimmung vom 13./14. November 1920 ergab das eindeutige Resultat von 6‘191 Ja- gegen 1‘255 Nein-Stimmen. Erstmals zur Anwendung gelangte die neue Verfassungsbestimmung bei den kirchlichen Erneuerungswahlen 1924, wo dann tatsächlich Frauen in die Kirchenvorstände und in die Synode gewählt wurden.