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Hervorragend

Mediensprecher einer Kirche zu sein, ist diffizil. Denn man hat eine Art Kanzel zu bedienen, ohne dass man mit den vielen Kolleginnen und Kollegen in Konflikt oder Konkurrenz gerät, die als Kaderleute der Kirche mindestens sonntäglich Kanzeln aus Holz und Stein besteigen.
Dann muss man in der direkten Arbeit mit der Exekutive der Versuchung widerstehen, die suggestive Wirkung der eigenen Beiträge in Rats- und Stabsverhandlungen nicht zur Durchsetzung einer eigenen politischen Agenda zu missbrauchen. Und schliesslich gilt es, Engagements aus dem Unternehmen kommunikativ zu unterstützen und sie nicht bedenkenträgerisch abzuwehren. Das steckt drei zentrale von sehr vielen weiteren Spannungsfeldern ab, in denen sich Roger Thiriet während 10 Jahren bewährt hatte: Einer zu sein, der mit seinem Wissen und Können nicht selbst im Rampenlicht steht, sondern den anderen dabei behilflich ist, Rampenlicht auszuhalten oder in dieses zu treten.

Als Roger Thiriet seinen Dienst für die Kirche aufnahm, ging ein Raunen durch Basel. Es erstaunte männig- und frauiglich, dass die Kirche offenbar doch so wichtig ist, dass ein so bedeutender Basler sich für sie einzusetzen bereit erklärt. Die Projekte, die unsere Kirche mit Roger Thiriet sehr unaufgeregt aber umso erfolgreicher umsetzen konnte, lassen sich sehen: Begonnen haben wir mit credo08: Bibelparcours, Basler Gebetbuch,
credo-Tram, Beitrittskampagne und Glaubenskurse. Dann haben wir die Homepage völlig neu aufgesetzt und mit credo&du ihr und uns ein neues Corporate Design verpasst. Credo&du ist denn auch der zentrale Slogan, wie unsere Kirche nach aussen treten will, nämlich vor allem das Unverwechselbare von Kirche nach aussen tragend: den Glauben und die Inhalte des Glaubens.

Die ERK Basel-Stadt hat als erste von den Schweizer Kirchen damit begonnen, sich in der Öffentlichkeitsarbeit vor allem auf solche Inhalte zu konzentrieren und nicht so sehr darauf abzuheben, ihre sozialen und gemeingesellschaftlichen Leistungen nach aussen zu tragen. Das ist dank Roger Thiriets Können und seiner erstklassigen Vernetzung in der Medienwelt der Nordwestschweiz sowie seiner grossen öffentlichen Anerkennung weit über Basel-Stadt hinaus sehr gut aufgenommen worden. In diesem Zusammenhang ist auch der Basler Katechismus entstanden, der zwar innerkirchlich für Verwunderung, aber nicht für eine inhaltliche Kontroverse gesorgt hat. Die letzte grosse Kampagne, die Roger Thiriet zu verantworten hatte, war die Kampagne «feste feiern», die wir vor einem Jahr geführt hatten, und mit der unsere Kirche Sympathien in der Öffentlichkeit gewinnen konnte.

Diese Grosskampagnen standen neben dem Normalgeschäft in Roger Thiriets Agenda. Unter Normalgeschäft fiel z.B. die Aufgabe, Synode, Gemeinden und Dienste der Kirche sowie die Medien für P15 zu gewinnen, ein umfassendes Restrukturierungsprogramm, das ausgelöst hat, dass heute ein Vielfaches an Drittmitteln eingeworben wird als vor dieser Restrukturierung möglich war. So war Roger Thiriet auch in der Einwerbung von Drittmitteln hilfreich, und zwar in der Funktion, wie Kirchenleitung hier tätig sein kann, nämlich als Impulsgeberin und als Unterstützerin. Daneben standen Grossprojekte wie die neue Kirchenverfassung, die Revision aller Ordnungen unserer Kirche, die regelmässige Präsenz der Kirchen an der Muba, bei der Herbstmesse und vorübergehend auch bei der Hochzeits- und Geburtenmesse MariNatal.

Dies gehört zu den Aufgabenfeldern eines Öffentlichkeitsbeauftragten genauso, wie das stets freundliche Auskunft geben an Anrufende, die teils «abstruse» Fragen umtreibt, wie etwa, wann denn die Urgrosstante konfirmiert wurde, wann die ehemalige Orgel von Kleinhüningen in die Kirche eingebaut wurde, wieso an der katholischen Antoniuskirche die Glocken nachts rufen, oder wieso wir diesen oder jenen Engel nicht empfangen, der beim Papst und bei der Königin von England habe vorsprechen dürfen. Alles auch da gewesen.

Wenn ich jeweils Roger Thiriet nach seinem Befinden gefragt habe, lautete die Antwort stets «hervorragend». In 99,9 % der Fälle war ich davon überzeugt, dass diese Antwort in der Tat zutrifft, und für die 0,1% der anderen Fälle war die suggestive Wirkung dieser Antwort selbst bereits heilend. So habe ich dieses Wort in meinen Wortschatz übernommen, womit Roger Thiriet nun ein neues für sich hat suchen müssen und gefunden hat. Wie dieses Wort lautet, wollen Sie bitte selbst in Erfahrung bringen, wenn Sie sich persönlich von Roger Thiriet verabschieden und sich wie der Kirchenrat es hiermit tut, bei ihm für seine hervorragenden Dienste für uns und unsere Kirche persönlich bedanken.

Pfr. Dr. Lukas Kundert
Kirchenratspräsident