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Gemeinsame Synode im Zeichen des Reformationsjubiläums

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Brauchen wir eine neue Reformation? Oder einfach neue Worte, um den Geist der reformierten Kirche zeitgemäss auszudrücken? Über 100 Personen haben am Mittwoch, 30. August im Martinshaus, Liestal, an der gemeinsamen Reformationssynode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt und Basel-Landschaft teilgenommen und sich darüber intensiv Gedanken gemacht.
Die Parlamente der Evangelisch-reformierten Kirchen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft traten am Mittwoch, 30. August 2017, in Liestal zu einer gemeinsamen Synode zusammen. Diese stand unter dem Titel «Wir brauchen eine neue Reformation!».

Fünf Thesen standen dabei im Zentrum:
  • Not der Menschen: wer sorgt für meine Seele?
  • Religion und Spiritualität: fromm sein - echt jetzt?
  • Re- Organisation der Kirche: Kirche lebt - auch durch mich?
  • Kommunikation: predigen = Herzens - Ohren öffnen
  • Kirche und Gesellschaft: Sauer - Teig?
Prof. Dr. Ueli Zahnd, Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte am Theologischen Seminar der Universität Basel, führte die Kirchenparlamentarier in seinem Eingangsreferat zurück ins 16. Jahrhundert und erzählte anschaulich, wie es in Basel 1529 zur Reformation gekommen ist. Die Reformation war keineswegs aus frommer Not geboren, sondern eher die Folge eines Gemenges unterschiedlicher Interessen. Die Stadt löste sich 1521 aus der Herrschaft des Bischofs und wollte selbst bestimmen, auch über religiöse Fragen. Es seien «ganz unterschiedliche Kräfte und zum Teil sehr divergierende Interessen» gewesen, welche zur Durchsetzung und Etablierung der Reformation in Basel führten. Die Bauern auf der Landschaft, der Rat und die Zünfte in der Stadt, einzelne Theologen, Pfarrer und der Bischof sowie die anderen eidgenössischen Orte hatten sehr unterschiedliche Anliegen und Interessen.

Zahnd führte den reformierten Kirchenparlamentariern auch vor Augen, dass sie die Reformation als Reformierte durch die Propagandabrille der Reformatoren betrachten.

PD Dr. Christina Aus der Au, Zentrum für Kirchenentwicklung der Universität Zürich und Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2017, und Dr. Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten, griffen in ihrer Podiumsdiskussion einige der Aspekte auf. Beide beklagten vor allem, dass der Kirche heute die Sprache fehle, um mit der Welt in Kontakt zu treten. Die Kirche müsse wieder zu sich und dem Glauben stehen und Worte finden, mit denen sie die Menschen erreiche. Pater Christian Rutishauser sprach deshalb sogar von einer «Krise des Heiligen». Aus der Au und Rutishauser versprachen sich von den überall in der Schweiz entstehenden Migrationskirchen neue Impulse für die Landeskirchen.

In fünf Workshops vertieften die Kirchenparlamentarier das Gehörte und versuchten es, zu konkreten Vorschlägen zu verdichten. In den Workshops ging es um:
  • «Verlieh die Reformation Flügel oder Ketten?» Frauengeschichte(n) im Zeitalter der Reformation
  • «Freikirchen und das Erbe der Reformation»
  • «Reformierte zwischen Medienhype und Abstinenz»
  • «Gemeinschaftliches Leben in der reformierten Tradition»
  • «Wege in die Zukunft»
Wenn die Synode auch keine konkreten Beschlüsse fasste, so waren sich die Synodalen von Stadt und Land doch einig, dass sie einige wertvolle Impulse für die Arbeit in ihren jeweiligen Kantonalkirchen erhalten hatten.