Die Kirche ist weiblich
Kirchen sind konservativ? Von wegen: Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt ist seit über 100 Jahren dem Staat immer einige Schritte voraus. Das belegt der neu publizierte Jahresbericht der Kirche, der sich anlässlich der erstmaligen Frauenmehrheit im Kirchenrat dem Thema Gleichstellung widmet.
Seit Herbst 2022 führt im Kanton Basel-Stadt eine Frauenmehrheit die Evangelisch-reformierte Kirche: Zum ersten Mal sitzen mehr Frauen als Männer im Kirchenrat. Im konkreten Fall mag es ein Zufall gewesen sein, dass sich eine Frau um den freien Sitz in der kirchlichen Exekutive bewarb. Aus historischer Perspektive ist es nur folgerichtig: Die Kirche arbeitet in Basel schon seit über 100 Jahren an der Gleichberechtigung von Frauen und Männern – und macht da nicht halt.
Bereits 1920 haben die Frauen in Basel das kirchliche Stimm- und Wahlrecht erhalten. 1954 zog die erste Frau in den Kirchenrat ein, also in die kirchliche Exekutive. 1956 sind Frauen in Basel zum Pfarramt zugelassen worden. 1993 hat zum ersten Mal eine Frau die Synode präsidiert, also die kirchliche Legislative. Heute sind 60 Prozent der Mitarbeitenden der Kirche Frauen. 2022 hat die ERK eine Lohngleichheitsanalyse durchführen lassen. Das Resultat: Bei der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt gibt es keine unerklärte geschlechtsspezifische Lohndifferenz. Im Gegenteil: Mit Berücksichtigung der personen- und arbeitsplatzbezogenen Merkmale verdienen Frauen in der ERK sogar etwas mehr als Männer.
Schneller als der Staat
«Wir waren schneller als der Staat», sagt Pfr. Dr. Lukas Kundert. «Frauenrechte, Ausländerrechte, Jugendstimmrecht, Rechte für Queers – in Basel hat die Kirche immer deutlich rascher auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert als der Kanton.»
Die Frauenmehrheit im Kirchenrat ist Anlass, die Geschichte der Gleichstellung in der Basler Kirche zu thematisieren. Im Jahresbericht der Kirche ziehen die fünf Kirchenrätinnen Bilanz und schauen zurück auf eine Zeit, in der Frauen alles andere als gleichberechtigt waren. Es war ein langer Kampf.
«In den letzten Jahren haben Frauen die Basler Kirche gerade auch auf strategischer Ebene geprägt,», sagt Kirchenrätin Brigitte Gysin. Anita Vögtlin gibt zu bedenken, dass «viele Berufe im Care-Bereich nach wie vor Frauenberufe» seien, «die lohnmässig tiefer eingestuft sind.»
Es kommt nicht aufs Geschlecht an
Kirchenrätin Diana von Bidder ist überzeugt: «Es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern auf die Person.» Monika Widmer, Kirchenrätin und Gemeindepfarrerin in der Tituskirche, gibt zu bedenken: «Frauen im Pfarramt, das ist heute weniger eine Frage der Gleichberechtigung als der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» Den Schlusspunkt setzt Kirchenrätin und SP-Politikerin Brigitte Heilbronner: «Ob hetero oder schwul, nonbinär oder trans, männlich oder weiblich – mein Gegenüber ist in erster Linie ein Mensch.»
«Mir scheint wichtig, dass wir angesichts der vergangenen Ungerechtigkeit nicht ins Gegenteil kippen», sagt Kirchenratspräsident Lukas Kundert. «Wir können das Unrecht, das von unserer
Gesellschaft und unserer Kirche in der Vergangenheit an Frauen begangen wurde, nicht aufheben, indem wir heute Männer ungerecht behandeln.» Ihm sei es wichtig, dass «die Kirche nicht in einem dichotomischen Geschlechterkampf erstarrt.» Zudem gehe es in der Kirche längst nicht mehr nur um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. «Es geht auch um die Rechte der LGBTQ-Community, um die Rechte von Migrant:innen, von Auswärtigen, von Zugewanderten, von Andersdenkenden. Vor Gott sind wir alle in erster Linie Menschen. Ich wünsche mir, dass das auch in
unserer Kirche der Fall ist.»
«Die Kirche ist weiblich.», der Jahresbericht 2022 der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, ist jetzt unter » www.erk-bs.ch/jahresbericht abrufbar und bestellbar.
Bereits 1920 haben die Frauen in Basel das kirchliche Stimm- und Wahlrecht erhalten. 1954 zog die erste Frau in den Kirchenrat ein, also in die kirchliche Exekutive. 1956 sind Frauen in Basel zum Pfarramt zugelassen worden. 1993 hat zum ersten Mal eine Frau die Synode präsidiert, also die kirchliche Legislative. Heute sind 60 Prozent der Mitarbeitenden der Kirche Frauen. 2022 hat die ERK eine Lohngleichheitsanalyse durchführen lassen. Das Resultat: Bei der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt gibt es keine unerklärte geschlechtsspezifische Lohndifferenz. Im Gegenteil: Mit Berücksichtigung der personen- und arbeitsplatzbezogenen Merkmale verdienen Frauen in der ERK sogar etwas mehr als Männer.
Schneller als der Staat
«Wir waren schneller als der Staat», sagt Pfr. Dr. Lukas Kundert. «Frauenrechte, Ausländerrechte, Jugendstimmrecht, Rechte für Queers – in Basel hat die Kirche immer deutlich rascher auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert als der Kanton.»
Die Frauenmehrheit im Kirchenrat ist Anlass, die Geschichte der Gleichstellung in der Basler Kirche zu thematisieren. Im Jahresbericht der Kirche ziehen die fünf Kirchenrätinnen Bilanz und schauen zurück auf eine Zeit, in der Frauen alles andere als gleichberechtigt waren. Es war ein langer Kampf.
«In den letzten Jahren haben Frauen die Basler Kirche gerade auch auf strategischer Ebene geprägt,», sagt Kirchenrätin Brigitte Gysin. Anita Vögtlin gibt zu bedenken, dass «viele Berufe im Care-Bereich nach wie vor Frauenberufe» seien, «die lohnmässig tiefer eingestuft sind.»
Es kommt nicht aufs Geschlecht an
Kirchenrätin Diana von Bidder ist überzeugt: «Es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern auf die Person.» Monika Widmer, Kirchenrätin und Gemeindepfarrerin in der Tituskirche, gibt zu bedenken: «Frauen im Pfarramt, das ist heute weniger eine Frage der Gleichberechtigung als der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» Den Schlusspunkt setzt Kirchenrätin und SP-Politikerin Brigitte Heilbronner: «Ob hetero oder schwul, nonbinär oder trans, männlich oder weiblich – mein Gegenüber ist in erster Linie ein Mensch.»
«Mir scheint wichtig, dass wir angesichts der vergangenen Ungerechtigkeit nicht ins Gegenteil kippen», sagt Kirchenratspräsident Lukas Kundert. «Wir können das Unrecht, das von unserer
Gesellschaft und unserer Kirche in der Vergangenheit an Frauen begangen wurde, nicht aufheben, indem wir heute Männer ungerecht behandeln.» Ihm sei es wichtig, dass «die Kirche nicht in einem dichotomischen Geschlechterkampf erstarrt.» Zudem gehe es in der Kirche längst nicht mehr nur um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. «Es geht auch um die Rechte der LGBTQ-Community, um die Rechte von Migrant:innen, von Auswärtigen, von Zugewanderten, von Andersdenkenden. Vor Gott sind wir alle in erster Linie Menschen. Ich wünsche mir, dass das auch in
unserer Kirche der Fall ist.»
«Die Kirche ist weiblich.», der Jahresbericht 2022 der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, ist jetzt unter » www.erk-bs.ch/jahresbericht abrufbar und bestellbar.