Ökumenisches Aids-Pfarramt wird aufgehoben

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Dank den Fortschritten der Medizin führt eine Infizierung mit dem HI-Virus heute nicht mehr
unausweichlich zum Tod. Das hat auch Konsequenzen für Angebot und Ausrichtung eines Spezialpfarramts, das vor 25 Jahren zur seelsorgerischen Begleitung von HIV-positiven Menschen ins Leben gerufen worden war. Das Aids-Pfarramt beider Basel schliesst Ende 2013.
Medienmitteilung Nr. 20 / 4. Dezember 2012

Die Evangelisch-reformierten Kirchen des Kantons Basel-Stadt und Basel-Landschaft und die Römisch-Katholischen Landeskirchen beider Basel sind übereingekommen, das Ökumenische Aids-Pfarramt beider Basel nicht weiterzuführen. Angesichts des Spardrucks, dem alle vier Trägerkirchen aus unterschiedlichen Gründen ausgesetzt sind, teilweise aber auch im Zug von Neuausrichtungen ihrer Diakoniekonzepte überprüften sie in den vergangenen Monaten ihr Engagement für das Ökumenische Aids-Pfarramt und kamen zum Schluss, dass eine Weiterführung in der bisherigen Form nicht mehr angezeigt ist. Das Amt stellt seine Arbeit per Ende 2013 ein; die leitende Pfarrerin Audrey Drabe wird sich anderen Aufgaben zuwenden.

Das Amt war 1987 vom evangelisch-reformierten Pfarrer Rudolf Weber initiiert worden. Zu jener Zeit war Aids ein brennendes gesellschaftliches Thema und die Immunschwächekrankheit galt als «Seuche des 21. Jahrhunderts», weil sie nach ihrem Ausbruch in den allermeisten Fällen tödlich verlief. Der Initiative schloss sich 1992 die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Landschaft an und 1995 stiessen die Römisch-Katholischen Landeskirchen beider Basel zur Trägerschaft. Zuweilen widmeten sich bis zu vier Seelsorgerinnen und Seelsorger in ökumenischem Teamwork den Bedürfnissen der an Aids Erkrankten und ihrer Angehörigen, die mit den Jahren um die Arbeit im Bereich «Sexualität und Aids» erweitert wurde.

Nachdem die Aufklärung über die Risiken und die Propaganda für Schutzmassnahmen zu einem Rückgang der Ansteckungen geführt und die medizinische Forschung Wirkstoffe gegen den tödlichen Verlauf der Krankheit gefunden hatte, sind die Ansteckungen zurückgegangen und die Krankheit verläuft nur noch selten tödlich. Entsprechend haben sich auch die Aufgaben und der Personalbestand des Aids-Pfarramts reduziert. Die Auflösung der organisatorischen Einheit bedeutet aber nicht, dass sich die Trägerkirchen aus der seelsorgerischen Betreuung und Unterstützung von HIV-positiven Mitmenschen verabschieden. Noch immer werden in der Schweiz jedes Jahr 700 neue HIV-Diagnosen gestellt, die in den meisten Fällen sozial und psychisch Benachteiligte treffen, vor allem in Grossagglomerationen wie der Region Basel. Um sie werden sich deren Kirchen weiterhin im Rahmen ihrer etablierten Aktivitäten engagiert und kompetent kümmern.