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Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt.

Jesaja 7,4

Palliative Care - Für eine Verbesserung der Lebensqualität

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Chronische Krankheiten lassen sich nicht heilen. Umso wichtiger ist die Pflege und die Betreuung der Betroffenen. Diese Pflege, die nicht auf eine Heilung zielen kann, heisst «Palliative Care». Die Seelsorge spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Diabetes, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Herzinsuffizienz, Alzheimer und rheumatoide Arthritis sind sehr unterschiedliche Erkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass die Betroffenen kaum oder gar keine Aussicht auf Besserung oder Heilung der Krankheit haben. Ganz anders sieht es aus, wenn eine Patientin oder ein Patient mit einem Knochenbruch, einer Blinddarmentzündung oder mit Gallensteinen in ein Spital eingeliefert wird: Er oder sie darf damit rechnen, bald wieder gesund zu sein. Auf dieses Ziel hin arbeiten die Ärzte und die Pflege. «Bei chronisch kranken Menschen kann nicht die Heilung der Krankheit das Ziel sein, weil das nicht möglich ist, sondern die Verbesserung der Lebensqualität », sagt Gerhard Gerster, Spitalseelsorger in der Universitäten Altersmedizin Felix Platter in Basel. In der Fachsprache ausgedrückt: Diese Patienten werden nicht kurativ, sondern palliativ behandelt. «Es geht darum, dass sie ihr Leben trotz der Krankheit gestalten und ihre Beziehungen und ihr spirituelles Leben leben können», sagt Gerster.

Die palliative Pflege spricht von vier Dimensionen: Es geht um den Körper, den Geist, die Beziehungen und die Seele. «Wir betrachten das Leiden ganzheitlich. Es geht nicht nur um den Körper, sondern auch um die psychische, die soziale und die spirituelle Dimension», sagt Gerster. Deshalb spielt die Seelsorge in der palliativen Pflege eine grosse Rolle. «Viele Patienten sind in einer Sinnkrise oder können ihre Beziehungen nicht mehr leben», sagt Gerster. «Der Glaube kann in diesem Moment eine Resource sein, um mit den körperlichen Beeinträchtigungen und Belastungen umgehen zu können.» Für Gerhard Gerster basiert die Palliative Care auf drei Prinzipien. Es gehe erstens darum, die «Selbstbestimmung der Patienten» zu respektieren. «Sie entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden, sie sind autonom.» Zweitens gehe es darum, ihre Würde zu stärken: «Viele Menschen erleben sich als nicht mehr wertvoll, wenn sie zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. Sie schämen sich, weil sie abhängig sind, das verletzt sie in ihrer Würde. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass sie wertvoll sind, egal ob sie fit sind oder nicht.» Und drittens gehe es darum, sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen: «Das Sterben ist Teil unseres Lebens», sagt Pfarrer Gerster. «Es gibt diesen Moment, in dem wir den letzten Atemzug tun und uns auf die letzte Reise begeben.» Ein wichtiger Aspekt bei der palliativen Pflege ist die Betreuung und die Begleitung der Angehörigen. «Sie werden in alle Entscheidungen einbezogen. Schliesslich leiden sie ja auch unter der Situation, die man nicht mehr kurativ lösen, sondern nur noch palliativ behandeln kann», sagt Gerster. Auch die Beziehung der Angehörigen verändert sich durch die Krankheit, auch sie sind psychisch und seelisch belastet. «Deshalb werden sie im Spital in die Behandlung miteinbezogen und deshalb brauchen auch sie seelsorgerliche Begleitung».

Die Palliative Care Woche in Basel stellt deshalb mit dem Motto «Gemeinsam statt einsam sein» diesen Aspekt ins Zentrum: Nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen sollen auf ihrem Leidensweg unterstützt werden. «Ein Anliegen ist uns, dass das Thema der palliativen
Pflege öffentlich wird, dass es enttabuisiert wird», sagt Gerster. Es sei wichtig, dass «Palliative Care nicht mit Sterben gleichgesetzt wird, sondern mit einer anderen, umfassenderen
Betreuung und einer Stärkung der Lebensqualität.»