Nachruf Georg Vischer
Fast vierzig Jahre stand Georg Vischer im Dienst der Evangelisch-reformierten Kirche, zwölf Jahre davon als Präsident des Kirchenrates in Basel-Stadt. Mit seiner Pensionierung legte er zwar sein Amt nieder, nicht aber seine Tätigkeit für die Kirche. Er war weiterhin tätig als Pfarrer und setzte sich für die interreligiöse Zusammenarbeit ein. Jetzt ist Georg Vischer im Alter von 87 Jahren gestorben.
Georg Vischer wurde das Pfarramt quasi in die Wiege gelegt: Schon sein Vater Karl Georg Vischer-Heringa (1897-1966) amtete in Basel als Pfarrer. Am 1. August 1939 geboren, studierte Georg Vischer in Basel, Tübingen und Zürich Theologie und arbeitete danach als Assistent an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Barmen. Nach einem Lehrvikariat in Ziefen trat er 1965 in Buss-Maisprach in den Pfarrdienst ein. Bis 1976 wirkte er im Landkanton. Danach wechselte er zurück in die Wissenschaft: 1976 bis 1980 weilte er als Assistent für Praktische Theologie an der Universität Heidelberg und promovierte zum Dr. theol. 1980 kehrte er als Pfarrer an die Theodorskirche in Basel zurück. 1992 wählte ihn die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt zum Präsidenten des Kirchenrats.
Seine Amtszeit war bestimmt durch die noch von seinem Vorgänger und Schwager eingeleitete Strukturrform der Basler Kirche: Als erste Kirche im deutschsprachigen Raum waren Kirchgemeinden zu fusionieren, um Personalkosten reduzieren zu können. Georg Vischer verstand es aber, neuen „Spielraum“ zur Kirchenentwicklung aufzubauen und vor allem in inhaltlichen und konzeptionellen Fragen in der Schweiz eine Vorreiterrolle einzunehmen. Unter seiner Leitung wurden Methoden des damals noch ganz neuen New Public Management in die Kirche eingeführt; die Synode führte er zur Gründung der heute höchst erfolgreichen eigenen Immobilien- und Investitionsgesellschaft der reformierten Kirche und entwickelte das unverzichtbare Basler Planungstool zur differenzierten Personal- und Ausgabenplanung von Kantonalkirche und Gemeinden.
Besondere Schwerpunkte seiner Tätigkeiten lagen im ökumenischen und im interreligiösen Bereich. Gemeinsam mit dem katholischen Öffentlichkeitsbeauftragten Xaver Pfister konnte man sich darauf einigen, dass die Römisch-katholische und die Evangelisch-reformierte Kirche nur noch gemeinsam an die Öffentlichkeit treten.
Inhaltlich plädierte Georg Vischer für eine ideologiefreie Betrachtung der Zuwanderung: Migration könne nicht unterbunden, nur menschlicher oder unmenschlicher gestaltet werden; Asylsuchenden müsse ein rechtsstaatliches Verfahren zugesichert werden, und es sei unerträglich, dass Sans-Papiers ein Aufenthaltsstatus vorenthalten werde. Dazu passt, dass er sich später zusammen mit Anita Lachenmeier, Mustafa Atici und Irene Amstutz für das Ausländerstimmrecht in Basel einsetzte.
2004, nach zwölf Jahren im Amt als Kirchenratspräsident, trat Georg Vischer zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Lukas Kundert gewählt, der die Basler Kirche bis heute leitet. Auch nach seiner Pensionierung blieb Georg Vischer aber aktiv. Er predigte unter anderem in der Titus Kirche und amtete als Islamdelegierter der Basler Kirche. Bereits 2003 wurde er zudem als Nachfolger von Reinhild Traitler zum Präsidenten von IRAS COTIS gewählt. Das Amt führte er bis 2012 aus, als er von Rifa'at Lenzin abgelöst wurde.
Als IRAS-COTIS-Präsident gewann er breite Unterstützung für die «Woche der Religionen», an der kantonale Kirchen sowie muslimische, jüdische, hinduistische, buddhistische und bahaistische Gemeinschaften teilnehmen. Die erste nationale Woche der Religionen fand 2007 statt und wird seither jährlich mit über 100 Veranstaltungen durchgeführt. In Basel entstand 2007 mit seiner Unterstützung der Runde Tisch der Religionen beider Basel. Darüber hinaus war Georg Vischer Herausgeber eines Bandes zum interreligiösen Dialog in der Schweiz (TVZ), in dem er den sozialwissenschaftlichen Blick von aussen als Beitrag zur Qualitätssicherung des Dialogs würdigte.
Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt verliert mit Georg Vischer einen Vordenker: Er hat früh die Herausforderungen kommen sehen, die eine pluralistische, säkulare Gesellschaft für eine Kirche mit sich bringen. Auch nach seiner Pensionierung hat er sich dafür eingesetzt, dass die Kirche offen bleibt für die Gesellschaft – und umgekehrt.
Seine Amtszeit war bestimmt durch die noch von seinem Vorgänger und Schwager eingeleitete Strukturrform der Basler Kirche: Als erste Kirche im deutschsprachigen Raum waren Kirchgemeinden zu fusionieren, um Personalkosten reduzieren zu können. Georg Vischer verstand es aber, neuen „Spielraum“ zur Kirchenentwicklung aufzubauen und vor allem in inhaltlichen und konzeptionellen Fragen in der Schweiz eine Vorreiterrolle einzunehmen. Unter seiner Leitung wurden Methoden des damals noch ganz neuen New Public Management in die Kirche eingeführt; die Synode führte er zur Gründung der heute höchst erfolgreichen eigenen Immobilien- und Investitionsgesellschaft der reformierten Kirche und entwickelte das unverzichtbare Basler Planungstool zur differenzierten Personal- und Ausgabenplanung von Kantonalkirche und Gemeinden.
Besondere Schwerpunkte seiner Tätigkeiten lagen im ökumenischen und im interreligiösen Bereich. Gemeinsam mit dem katholischen Öffentlichkeitsbeauftragten Xaver Pfister konnte man sich darauf einigen, dass die Römisch-katholische und die Evangelisch-reformierte Kirche nur noch gemeinsam an die Öffentlichkeit treten.
Inhaltlich plädierte Georg Vischer für eine ideologiefreie Betrachtung der Zuwanderung: Migration könne nicht unterbunden, nur menschlicher oder unmenschlicher gestaltet werden; Asylsuchenden müsse ein rechtsstaatliches Verfahren zugesichert werden, und es sei unerträglich, dass Sans-Papiers ein Aufenthaltsstatus vorenthalten werde. Dazu passt, dass er sich später zusammen mit Anita Lachenmeier, Mustafa Atici und Irene Amstutz für das Ausländerstimmrecht in Basel einsetzte.
2004, nach zwölf Jahren im Amt als Kirchenratspräsident, trat Georg Vischer zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Lukas Kundert gewählt, der die Basler Kirche bis heute leitet. Auch nach seiner Pensionierung blieb Georg Vischer aber aktiv. Er predigte unter anderem in der Titus Kirche und amtete als Islamdelegierter der Basler Kirche. Bereits 2003 wurde er zudem als Nachfolger von Reinhild Traitler zum Präsidenten von IRAS COTIS gewählt. Das Amt führte er bis 2012 aus, als er von Rifa'at Lenzin abgelöst wurde.
Als IRAS-COTIS-Präsident gewann er breite Unterstützung für die «Woche der Religionen», an der kantonale Kirchen sowie muslimische, jüdische, hinduistische, buddhistische und bahaistische Gemeinschaften teilnehmen. Die erste nationale Woche der Religionen fand 2007 statt und wird seither jährlich mit über 100 Veranstaltungen durchgeführt. In Basel entstand 2007 mit seiner Unterstützung der Runde Tisch der Religionen beider Basel. Darüber hinaus war Georg Vischer Herausgeber eines Bandes zum interreligiösen Dialog in der Schweiz (TVZ), in dem er den sozialwissenschaftlichen Blick von aussen als Beitrag zur Qualitätssicherung des Dialogs würdigte.
Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt verliert mit Georg Vischer einen Vordenker: Er hat früh die Herausforderungen kommen sehen, die eine pluralistische, säkulare Gesellschaft für eine Kirche mit sich bringen. Auch nach seiner Pensionierung hat er sich dafür eingesetzt, dass die Kirche offen bleibt für die Gesellschaft – und umgekehrt.