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Jesaja 7,4

Beat Ochsner: «Diese Kirche ist toll. Eine schöne Gemeinschaft.»

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Von 2017 bis 2019 und von 2022 bis 2025 hat Beat Ochsner als Präsident der Synode das Parlament der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt geleitet. Im Juni 2025 hat er sein Amt abgegeben: Künftig will Beat Ochsner die Kirche nur noch als «Mithelfer» auf freiwilliger Basis unterstützen. Er sagt, er sei jetzt 75 Jahre alt, jetzt seien die Jüngeren dran. In seinen Jahren als Synodenpräsident hat er wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Kirchenrat und Synode verbessert hat. Ochsner hat in der Evangelisch-reformierten Kirche einen Prozess zur Strategiefindung angestossen, der in eine Totalrevision der Kirchenverfassung mündete. Er sagt, die Kirche müsse wissen, wo sie hinwill. Obwohl er sich in den vergangenen Jahren vor allem mit den organisatorischen Problemen der Kirche beschäftigen musste, sagt er heute: «Diese Kirche ist toll. Eine schöne Gemeinschaft.»
Beat Ochsner, Du hörst auf als Synodenpräsident – mit welchen Gefühlen?
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe die Aufgabe als Präsident sehr gerne wahrgenommen und wirklich einen Sinn darin gesehen, dass ich da etwas bewirken kann. Aber nach zehn Jahren ist der Moment gekommen, wo jüngere am Karren ziehen sollten.

Was hast Du erreicht?
Zuallererst: Das war nicht ich als Einzelperson. Wenn ich mir als Person etwas zuschreiben kann, dann vielleicht, dass ich dazu beigetragen habe, die Zusammenarbeit zwischen Kirchenrat und Synode zu verbessern. Heute ist diese Zusammenarbeit mehr von Vertrauen geprägt. Sachlich haben wir sehr viel erreicht. Ich denke an die Strategiefindung, die Verfassungsrevision, die Umsetzung mit den Ordnungen. Es war wichtig, dass wir diese Arbeiten anpacken konnten. Die Kirche muss wissen, wo sie hin will.

Wo hast Du Dir die Zähne ausgebissen?
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich an einem Punkt wirklich auf Grund gelaufen bin. Aber es ist so: Die Kirche ist kein Unternehmen. Sie ist eine basisdemokratische Institution, die alle Menschen mitnehmen muss. Das musste ich zuerst verstehen, aber danach ging es gut. Ich habe mir natürlich manchmal gewünscht, dass die Organisation etwas agiler wäre. Aber es läuft ja auch viel im Hintergrund, zum Beispiel in der Verwaltung, das ist super.

Wo stand die Kirche vor dem Strategieprozess?
Als ich frisch gewählt wurde, lag die Perspektive 25 auf dem Tisch. Die Verunsicherung war gross: Wohin soll sich die Kirche entwickeln? Nachdem ich nach zwei Jahren als Statthalter zum Präsidenten der Synode gewählt wurde, kam ich zusammen mit dem Kirchenrat zum Schluss, dass wir einen Strategieentwicklungsprozess brauchen. Nicht nur um das Ziel zu identifizieren, sondern auch, um all die Mitarbeitenden und die freiwilligen Helfer und Helferinnen auf den Weg mitzunehmen. Strategisch gab es vorher schon sehr gut aufgegleiste Aspekte, etwa die BVV. Was noch fehlte, war ein systematisches Gesamt-Dokument.

Und wo steht die Kirche nach diesem Prozess?
Die Frage ist natürlich: Wann ist der Prozess fertig. Wir haben noch einige Aspekte, die wir aufgrund der strategischen Aussagen präzisieren und greifbar machen müssen. Wir brauchen meines Erachtens eine Personalstrategie, die auch die Gemeinden einbezieht. Wie kann sie die ERK personell so entwickeln, dass wir an allen Stellen Leute mit den dafür benötigten Fähigkeiten haben. Und auch sonst: Eine ERK-Strategie basiert auf Annahmen. Die muss man immer wieder überprüfen. Eine Strategie muss immer wieder justiert werden. Ich habe das Gefühl, auch in den Gemeinden spüre ich mehr Optimismus als vorher. Dass eine Entwicklung stattfindet, dass sich auch wieder junge Familien für die Kirche interessieren. Das hat vielleicht auch mit der Weltsituation zu tun. Ich hoffe für die Kirche, dass sie einhaken und das Bedürfnis nach Spiritualität auch auffangen kann. Die Menschen sollen merken: In der Kirche finden wir Sinn.

Warum braucht eine Kirche überhaupt eine Strategie? Genügt es nicht, auf Gott zu vertrauen?
Jede Organisation, die eine bestimmte Grösse hat, entwickelt Strukturen. Es ist wichtig, dass diese Strukturen das Leben im Sinne der Sache ermöglichen. Die Strategie sagt der Organisation, in welche Richtung der Weg führt. Das hat eine Innenwirkung, die eigenen Leute wissen, wohin sie gehen sollen. Und es hat eine Aussenwirkung: «Die Organisation weiss, was sie will». Ohne eine Strategie, ohne einen Fixstern, wird alles etwas shaky. Eine Kirche hat eben nicht nur einen geistigen Inhalt, sondern auch eine Struktur. Deshalb braucht auch eine Kirche eine Strategie.

Du hast die Personalstrategie angesprochen – was meinst Du damit?
Wir müssen uns fragen, wie wir gute Menschen finden. Wie die Kirche gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anstellen kann. Wie die Kirchenvorstände gute Mitglieder finden. Wie wir die richtigen Mitarbeiter finden für die Verwaltung. Wir müssen uns fragen: Wie können wir Quereinsteiger fördern? Wie können wir verhindern, dass die Leute ausbrennen? Wie können wir Leute behalten, die ausbrennen und ihnen neue Perspektiven bieten? Da sehe ich in der Praxis hier und dort Schwierigkeiten. Wir haben zum Beispiel Mühe, auch in der verkleinerten Synode genügend Synodale zu finden. Wie können wir dies ändern? Auf all diese Fragen müssen wir umsetzbare Antworten suchen.

Was hat Dich für die Kirche begeistert?
Es war und ist mir sehr wichtig, dass die Stukturen der Kirche erhalten bleiben. Die Kirche leistet so unglaublich viel an Freiwilligenarbeit … das könnte der Staat oder die Gesellschaft nicht kompensieren. Es braucht die Kirche ! Deshalb wolle ich mich für die Kirche einsetzen.

Und was machst Du jetzt?
Ich werde nicht arbeitslos. Ich habe sehr viele Interessen. Ich realisiere jedes Jahr ein Projekt. Heuer habe ich mich zum Beispiel mit Punktschweissen beschäftigt. Dann habe ich natürlich Enkelkinder und Familie, da fall ich schon nicht in ein Loch.

Wirst Du Dich weiter für die Kirche engagieren?
Ich bin noch Mithelfer in der Tituskirche, aber auf freiwilliger Basis. Ich mache nichts mehr, für das man gewählt werden muss. Ich übernehme keine Verantwortung mehr: Mit 75 sage ich, da sollen jetzt die Jüngeren ran. Mein Wunsch für die Zukunft der ERK ist, dass sie prosperiert und eine gute Ausstrahlung hat, die auch junge Menschen erreicht und sie merken: Diese Kirche ist toll. Eine schöne Gemeinschaft. Das wünsche ich mir.